Ich bin mal volles Rohr einen Silvesterlauf gelaufen

Als ich kürzlich den Aufruf von Erbil Kurt zum Silvesterlauf gelesen habe, erinnerte ich mich an einen Silvesterlauf an dem ich teilnahm, vor Jahren, total untrainiert, dem Dorf zuliebe, in billigen Turnschlappen und mit Aircast-Schiene.
Silvesterlauf in Allershausen, ich wollte mal teilnehmen, kann ja nicht so schwer sein. Ich hatte mir Tage vorher das Gelenk verstaucht oder so, bekam eine Schiene, und meine Hausärztin die gleichzeitig meine Chefin war, riet mir von der Teilnahme ab. Ich dachte noch so: “Das kriegt die ja garnicht mit dass ich mitlaufe, auch mit Schiene.” Den letzten Satz behaltet mal im Koppe.
Der Tag kam, es hatte geschneit, der Startschuss ertönte, und ich lag nach 30 m schon hinten, total weit hinten. Ich stolperte da so durch die Pampa, mit Schiene am Fuß, alle waren weg irgendwie, ich keuchte und hustete und tastete mich mit den Turnschlappen ans Ziel. Ich war noch garnicht auf der Hälfte, da kamen mir die anderen schon entgegen. Mir war das so peinlich! Ich rannte weiter, war auf der Hälfte und sollte einen Nagel in so einen Holzstamm hämmern. Ich war fertig, ich war alle, ich hab gepumpt wie ein Maikäfer und gezittert wie Bolle. Und ich hab gehämmert als gäbe es keinen Morgen mehr. Irgendwann sagte eine Stimme: “Steffi, lauf weiter, wir haben aufgehört zu zählen, das waren jetzt über 80 Versuche.”
Mein Gott wie peinlich. Ich wieder zurück, total alleine, mit dem Schnee und den billigen Turnschlappen plus Aircast-Schiene wieder auf die Strecke, und ich lief und lief und lief.
Im Ziel angekommen fragte eine kleines Mädchen ihren Vater:
“Papa, wo kommt die Frau jetzt her?”
Jetzt ging es ans Luftgewehr. Hatte ich eine Panik! Wenn das hier so endet wie eben beim nageln, verringert sich die Einwohnerzahl der Allershäuser auf die Hälfte. Ich ballerte da so rum, was ich traf und womit war egal, es gab keine Verletzten. Dann kam die Siegerehrung: Ich war auf Platz 4! Platz 4! Habt ihr gelesen? Platz 4! Wir waren aber auch nur 4 Frauen, ich erwähne das jetzt mal ehrlich. Ich hab eine Uhr gewonnen, hatte Herzrhythmusstörungen, billige Turnschlappen an und eine Aircast-Schiene. Die Nummer mit dem nageln stand in der HNA, war Thema auf dem Neujahrsempfang in Allershausen. Aber das schlimmste war, dass ich auf dem Titelbild in der HNA abgebildet war. Und das sah meine Chefin die auch gleichzeitig mein Hausärztin war. Da gehst Du mit gesenktem Haupt in die Praxis und übernimmst freiwillig alle unangenehmen Arbeiten. Ich krieg heute noch nen roten Kopp wenn ich daran denke wie mich einer fragte:
“Haste echt über 80 Schläge für den Nagel gebraucht? Brüller!”
“Ja ey, ich war verletzt, hab aber eine Uhr gewonnen und Platz 4 belegt. Und jetzt kommst Du!” ^^

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Baustellenwahnsinn in Uslar

… auch Du Dank der Baustellen in den letzten Wochen durch Siedlungen/Strassen gefahren bist, die Deine Reifen schon seit Jahren nicht mehr berührten.
Eigentlich kommt man ja von Allershausen zur Volksbank in ein paar Minuten … eigentlich … wäre da nicht der Bau- und Ampelwahnsinn gewesen.
Aufgabe vorletzte Woche war, mit meinem Vater von der Dorfstrasse in Allershausen zur Volksbank Uslar.
Von der Bella Clava bin ich so nach Allershausen gekommen:
Bella Clava – Gerhard-Hauptmann-Strasse – Pestalozzi-Strasse – Albert-Schweitzer-Strasse – Gustav-Fischer-Strasse – Göttinger Strasse und dann Dorfstrasse. Fließender Verkehr quasi OHNE Ampeln.
Jetzt zur Volksbank, mit dem Vater im Auto. Der ist Jahrgang 1938 und hasst es wenn ich Umwege fahre wegen Spritverbrauch und weil ihm in meinem Auto immer schlecht wird (behauptet er!).
Attacke, ich setzte mich durch. Los gings:
Dorfstrasse – B241 (Google Maps zeigt mir da keinen Strassenname an) – Kurt-Schumacher-Strasse – Otto-Brenner-Strasse – den Berg runter auf die K445 – Rosenstrasse – Buchenweg – Hainebuche – Jahnstrasse – Goethestrasse – Eschershäuser Strasse – Volksbank.
Endlich angekommen! Wir rein, mein Vater wollte Geld holen am Schalter (ich wiederhole: Am SCHALTER!!!), es war Freitag, die Schotten unten, ich drehe mich um, ist da ein Schild:
Freitags nur bis 13 Uhr geöffnet.
Jetzt ist es aber so dass Männer vom Jahrgang 1938 dem Automaten nicht trauen, also dem Geldautomaten. Was macht man da? Man fährt unverrichteter Dinge wieder nach Allershausen, diesmal aber so:
Eschershäuser Strasse – Meinte – auf die K446 – Vahler Berg – Stadtgärten – quer durch die Pampa hinter Vahle wieder auf die K445 – da kurz drüber – wieder den Berg hoch (Google Maps zeigt mir da wieder keinen Strassenname an) – Otto-Brenner-Strasse – Kurt-Schumacher-Strasse – B241 – An der Eisenbahn – Dorfstrasse. Auto aus, ne Menge Sprit verfahren, sagt mein Vater, Jahrgang 1938:
“Kontoauszüge hätte ich holen müssen, da ist doch so ein Automat.”
“Ja, der ist da der Automat, ich fahre jetzt aber nicht nochmal zurück.”
Er so: “Nee, musste nicht, mir wird bei Dir auch eh immer schlecht im Auto.”
Gut dass das Ampelchaos jetzt auf der Strecke ein Ende hat, denn bald ist wieder Freitag. ^^

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