Lebensfreude pur – Der Umzug beim Packebierfest in Wiensen.

Ich finde keine Worte dafür, was heute in Wiensen los war beim Umzug und beim Packen am Thie.

Nach einer schier endlos scheinenden Zeit mit all den Auflagen während einer Pandemie hat heute in Wiensen die Luft gebrannt. Und die Leute hatten Bock auf ein traditionsreiches Dorffest.

Schon vor Beginn des Events heute war die Lebensfreude zu spüren: Die Vereine haben ihre Wagen für die Umzüge aufgepimpt. Die Vereine selbst haben feiernd und singend an der Straße gestanden am Thie.

Ob es die Junggesellen Vernawahlshausen waren oder die Junggesellen aus Oedelsheim oder Höckelheim: Was für eine Stimmung diese schon vor dem Hauptpart verbreitet haben. Es war genial.

Als der Umzug startete, die Paare gefunden waren, konnte man all die Sehnsucht nach dem normalen Leben so greifen. Teils ging auf den Festwagen so die Post ab, dass man Angst hatte die Achsen brechen. Party ohne Ende und Spaß ohne Ende.

Singende und feiernde Menschen mit Bock auf das Packebierfest.

Ist es nicht geil, dass unsere Dörfer mit ihren Traditionen für so viel positiven Input sorgen?

Ist es nicht geil, dass unsere Dörfer so lebendig sind?

Ist es nicht geil, wie Traditionen weitergegeben werden? Mit all der Arbeit?

Uslar und die Dörfer sind irgendwie geil!

Am Festplatz ging der Punk so richtig ab, es machte einfach Spaß in all die zufriedenen Gesichter zu schauen.

Während die Buden um Bratwurst und Co. belagert wurden auf der einen Seite, füllte sich das Festzelt mit singenden Menschen auf der anderen Seite. Alle zusammen, das war so der Tenor heute. Und das hat so beeindruckt.

Wie viele johlende Menschen heute im Karussel saßen und Spaß hatten:

Das war einmalig und nur das Zusehen hat Laune gemacht.

Wir haben in Wiensen heute so oft gesagt und gedacht:

„Das ist Lebensfreude pur! Und wie haben wir diese vermisst!“

Chapeau, Wiensen. Danke für diesen Sonntag. Es war toll.

Share

Allein Daheim und andere Beobachtungen.

In den letzten Monaten war ich davon überzeugt, mich mit Corona nicht zu infizieren. Von wegen Blutgruppe und so. Und immer wiederkehrender negativer Testungen über einen langen Zeitraum.

Tja, da wurde ich wohl eines besseren belehrt: Plötzlich war da der zweite Strich!

Ich hatte kurioserweise in den letzten Monaten noch darüber philosophiert, wie ich denn eine Quaratäne wegstecken würde. Wer für mich einkauft. Ob ich nicht am Rad drehe in der Bude. Und ganz wichtig: Wie mein Verlauf ist.

Nun musste ich in die Isolation und ehrlich gesagt war mir etwas mulmig. Ihr kennt das bestimmt: Man beobachtet sich 24 Stunden am Tag.

Zum Glück war hier alles tipptopp, außer Schnupfen und Müdigkeit keine nennenswerten Komplikationen.

Meine Einkaufswünsche wurden täglich erfüllt.

Ein Balkon ist vorhanden.

Das Wetter war toll. So konnte ich in der Sonne sitzen und war ohne Komplikationen prädestiniert.

Ich hätte auch niemanden in meine heiligen Hallen lassen müssen, das fand ich cool.

Meine Sorgen, dass ich hier verdurste oder verhungere, lösten sich in Schall und Rauch auf.

Meine Sorgen, dass ich hier vereinsame, auch.

Whatsapp und Facebook rettete mich über den Tag. Auch das Fernsehprogramm. Und der Schlaf.

Mein Schnitt war in den acht Tagen über 10 Stunden in der Nacht. Da sind die Mittagsschläfe nicht mit eingerechnet.

Bist Du in Quarantäne, dann musst Du Dich nicht aufbrezeln.

Duschen – Haare an der Luft trocknen lassen – kein Make up und aussehen wie Karl Napp.

Echt doof, wenn dann ein Kollege per Videoanruf Kontakt aufnimmt.

An Tag 8 wäre ich gerne mal Einkaufen gegangen. Einfach mal raus aus der Bude. Leider, leider war da mein Test noch positiv.

An Tag 10 fuhr ich dann in ein Testzentrum und siehe da:

Negativ!

Ich war 2 Stunden Einkaufen, habe das echt so genossen. Und ich war dankbar, dass ich ohne schwerwiegende Folgen dazu in der Lage war.

Mein Einkaufswagen war voller Köstlichkeiten, ich hätte jeden Kunde und jeden Kassierer und jeden Artikel knutschen können.

Nun gut, vielleicht etwas viele Lebensmittel hier für 1 Person, aber ich lasche das schon weg die Tage.

Aus der Bude zu eumeln, das ist schon toll. ^^

Share

Eine Spendenaktion mit ganz vielen Emotionen.

(Quelle Bilder: S. Werner)

Das Geld ist gezählt, die Kuchenplatten wieder bei ihren Bäckerinnen. Der Müll ist weggeräumt, der Bierwagen wurde abgeholt. Der Parkplatz vor dem REWE-Markt wirkt mittlerweile wieder so, als wäre dort heute überhaupt nichts passiert. Aber es ist in knapp fünf Stunden so viel passiert.
Alle Helferinnen und Helfer sind glücklich. Und stolz. Stolz auf eine Spendensumme von 2500 Euro! Stolz auf so viele helfende Hände, Sponsoren und natürlich auch auf die Menschen, die heute der Aktion gefolgt sind und verantwortlich für die erreichte Spendensumme.


Innerhalb weniger Tage wurde diese Aktion geplant. Und wieder, wie auch schon im letzten Jahr in Bezug auf die Flutopferhilfe, fand sich schnell ein Helferteam und stellte in einem knappen Zeitfenster erneut eine Spendenaktion auf die Beine.

Es war ein ergreifender Tag mit einem stellenweise großen Kloß im Hals und auch Tränen in den Augenwinkeln. Weil es heute eine Begegnung gab und eine Situation, die vielen unter die Haut und ans Herz gingen.
Die zwei Herren aus Calden-Westuffeln und Ostheim, welche das gesammelte Geld erhalten sollen, waren heute auch Gäste in Uslar. Herr Rudert und Herr Rüddenklau hatten sich gestern gemeldet und ihren Besuch angekündigt. Weil sie von der Berichterstattung im Vorfeld wohl doch sehr beeindruckt waren.
Da standen sie nun auf dem REWE-Parkplatz, und es ging recht schnell, dass sie mit den Uslarern ins Gespräch kamen. Zwei durchaus unkomplizierte Menschen, die schon so lange so viel bewegen.
Ich gehe davon aus, dass die eine Dame die Ehefrau einer der beiden Hessen war. Tja, und als wir gefragt wurden ob wir Englisch sprechen, nahmen uns die Beiden mit zu einer jungen Frau mit zwei kleinen Kindern am Rand stehend. Es war eine Ukrainerin, welche geflohen war. Und durch einen schon bestehenden Kontakt zwischen Herrn Rudert, Herrn Rüddenklau und ihrem Schwiegervater nun in Sicherheit ist. Die junge Mutter bedankte sich bei uns und nahm uns auch in den Arm. Das war schon ein ergreifender Moment.

Als wenig später Hans-Georg Gloger die ukrainische Nationalhymne auf der Ukulele spielte, war Stille. Mit dem Wissen, dass ein paar Meter weiter von uns zwei kleine Kinder stehen (das jüngste Kind keine drei Jahre alt, sein Bruder nur wenig älter), welche sich von ihrem Vater trennen mussten, und eine Ehefrau von ihrem Mann. Weg von zu Hause, weg von Familie und Freunden. Das ging total unter die Haut. Einige konnten auch ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Diese Begegnung heute hat das ganze Drama so real gemacht, es ist schwer in Worte zu fassen.

Es wurde aber heute auch gelacht und viel miteinander geredet. Was einem einfach guttat in diesen Zeiten. Denn auch die Pandemie hat vielen von uns einiges abverlangt und tut es noch immer.

Als alle mehr oder weniger müde den Heimweg antraten, war aber auch Zufriedenheit zu spüren. Zufriedenheit darüber, dass wir hier in Uslar mit anpacken wenn es um etwas geht. Und dass wir in einer Kleinstadt gut vernetzt sind, eben weil wir uns größtenteils kennen.

Das Internet mag manchmal ein Fluch sein, aber bei Aktionen wie der heutigen ist es ein Segen. Denn die Planung und alles weitere nahm bei Facebook an Fahrt auf.
Man kann nur Danke sagen an all die Sponsoren und Unterstützer, an die Gäste und an die helfenden Hände. Aber auch an Menschen wie beispielsweise Herrn Rudert und Herrn Rüddenklau, die sich schon so lange engagieren. Und alle anderen, die dieser Tage so vieles bewegt und bewirkt haben. Gerade im Uslarer Land.

Die junge Mutter mit den kleinen Jungs wird heute und vielleicht auch in naher Zukunft noch vielen von uns im Gedächtnis bleiben. Sie stehen für so unendlich viele Menschen und Geschichten in diesem Krieg.

Share

Wenn man das Hobby zum Beruf machen darf

Quelle Bild: Pixabay/geralt)

Ihr Lieben, ich habe mich euch gegenüber die letzten Monate echt schlecht gefühlt. Es ist ruhig geworden auf dieser Seite. Nicht grundlos. Und ich konnte euch einfach keinen reinen Wein einschenken und das erklären.

Erinnert ihr euch daran, dass es immer mein Traum war mit dem Bloggen irgendwann mein Geld zu verdienen? Beziehungsweise genau das zu meinem Job zu machen? Seit Herbst letzten Jahres ist genau das passiert. Und seit Anfang des Jahres darf ich mich Social Media-Managerin nennen, weil ich noch eine Weiterbildung gemacht habe. Und zum Glück auch erfolgreich bestanden. Weil alles lange auf wackeligen Füßen stand, und ich nicht laut herum trötern wollte ohne das Zertifikat in der Tasche, war es lange still. Was mir so leid tat, weil mir viele von euch schon so lange folgen und treu sind. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das.

Es ist so ein tolles Gefühl einen Job mit Herzblut und Leidenschaft ausüben zu dürfen. Bilder machen, Storys schreiben, die Seiten aktuell halten, die sozialen Medien im Auge haben. Es ist mir teils schon passiert, dass ich den Feierabend verpennt habe, weil ich so vertieft war in meiner Arbeit.

Aber mit fast 52 Jahren ist mir die Weiterbildung echt schwer gefallen. Ich dachte, ich bin drin im Thema Social Media. Während dem Lehrgang hat sich gezeigt: Ich bin nicht annähernd drin. Das ist echt ein unglaublich weites Feld. Wenn sich zwei eingefleischte Social Media-Manager unterhalten, dann verstehe ich noch heute teils nur Bahnhof. So schlummert hier diverse Fachliteratur um da noch viel zu lernen.

Ich habe beim Schreiben meiner Abschlussarbeit in meinem Urlaub geflennt, war total niedergeschlagen und habe mir so richtig gepflegt einen abgebrochen. Ich hatte echt Schiss, dass ich nicht bestehe. Das verbuche ich unter „komplett überschätzt“.

Die 80 Stunden Weiterbildung waren verteilt auf 5 Freitage und Samstage. Hier gab es 5x widerliche Linsensuppe aus der Dose an diesen Tagen 🙂

Mein Highscore war das Einschlafen um 19 Uhr nach einer Schulung, weil ich so platt war.

Jetzt darf ich 8 Stunden an 5 Tagen das machen, was ich sonst nach Feierabend oder an den Wochenenden gemacht habe. Es ist einfach mein Ding.

Vielleicht ist es eine Art Gewöhnung und hier auf der Seite geht wieder was. Es würde mir total leidtun, wenn diese Seite hier und auch mein Blog verstauben und der Vergangenheit angehören.

Ihr seid mir so wichtig geworden in den letzten Jahren. Und habt mich teils oft erfüllt mit euren Kommentaren.

Dafür sage ich echt gerne DANKESCHÖN

I do my very best. ^^

Share

Schreiben ist manchmal wie Medizin.

(Quelle Bild: Pixabay)

Wenn man Dinge, die einen beschäftigen, in Worte fassen kann per Stift oder Tastatur: Mir geht es dann immer ein bißchen besser.

Wisst ihr, eigentlich haben wir schon echt viel erlebt. Gerade in Bezug auf historische oder monumentale Ereignisse das Weltgeschehen betreffend.

Ganz viele tolle und positive Dinge, aber eben auch das Gegenteil.

Der gestrige Tag hat mich total aus der Bahn geworfen. Am Abend saß ich heulend in meiner Küche und dachte:

„Noch nie in meinem fast 52-jährigen Leben habe ich so konzentriert Angst erlebt wie in den letzten zwei Jahren.“

Diese Angst hat mich gestern extrem müde gemacht. Und dünnhäutig. Vielleicht auch sentimental. Meine Stimmung war niedergeschlagen.

Ich weiß, ich weiß, das Glas ist halb voll. Nicht halb leer. Think positive 🙂

Eigentlich gibt es keinen Grund zu klagen. Wir haben ein Dach über dem Kopf, leben in Sicherheit. Wir haben tolle Freunde, sind gesund. Wir leben nicht in Armut, wir haben alles was wir brauchen und so viel mehr.

Aber gestern war ich echt fertig mit der Bereifung und hatte fast schmerzlich Sehnsucht in meine Jugend. In die 80er Jahre. Hier lief ein Song nach dem nächsten aus diesem Jahrzehnt. Es war wohl die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Als alles noch in Ordnung war und alle an Bord auf unsere Familien bezogen.

Nun aber sitzen wir zwei Jahre in einer Pandemie fest, teils ist unser Leben umgekrempelt. Aber wir haben ja Fuß gefasst mit der Situation. Mehr oder weniger. Mal besser und mal schlechter.

Aktuell hatte mir gestern der Konflikt in Europa den Rest gegeben. Und Angst gemacht. Mal wieder Angst. Mein Fass war voll.

Man sorgt sich ja auch um die Familie, besonders um die Kinder. Aber auch um die Geschwister. Auch Freunde. Und Kollegen.

Das hat mich gestern maßlos überfordert. Und mir so viel Positives genommen.

Wut und Unverständnis kommen auf, wenn gerade in den sozialen Netzwerken Menschen mit Lach-Smileys Berichte über Krankheit, Tod oder Krieg kommentieren. Gepaart mit erbärmlichen Statements.

Ich empfinde die momentane Zeit als keine leichte Zeit. Und noch nie war ich so gefordert hinsichtlich meiner Toleranz. Und meiner positiven Denkweise.

Share

Er war so viel mehr als „I`d do anything for love“ – Meat Loaf.

(Quelle Bild: Skitterphoto/Pixabay)

Zumindest wurde in den letzten Tagen viel auf genau diesen Titel in den Überschriften verwiesen, als der Tod von Meat Loaf bekannt wurde.

Mich persönlich hat die Musik von Meat Loaf in meiner wildesten Zeit begleitet. Was schon lange zurück liegt. Keine Party ohne Meat Loaf.

So wollte es damals irgendwie das Gesetz. Und wir haben danach so abgefeiert, als gäbe es keinen Morgen mehr. Eine tolle Zeit. Was hatte ich da für Bilder vor Augen seit gestern.

Hier liegen einige CD`s von ihm, seine Musik passte zu meiner/unserer rebellischer Phase Anfang der 90er Jahre.

Songs wie „Modern Girl“, Paradise by the Dashboard light“ oder „You took the Words Right Out of My Mouth“ sind mir irgendwie präsenter als „I`d do anything for love“.

Meat Loaf war auch mit seinen Balladen voll mein Ding, „Heaven can wait“ ist so eine typische Nummer. Oder „“Two Out of Three Ain’t Bad„.

Als ich in jungen Jahren mal nachschaute was Meat Loaf eigentlich übersetzt heißt, da staunte ich nicht schlecht: Hackbraten!

Wenn man sich bei Wikipedia mal alles anschaut und liest seine Person betreffend, dann erfährt man warum es zu diesem Name kam. Und noch so vieles mehr.

Viele meiner Freunde scheinen dieselben Gedanken zu haben wie ich, wenn es darum geht, wie sehr Meat Loaf unsere Jugend begleitet hat mit seiner Musik.

Und welche Erinnerungen seine Songs hervorrufen.

Er war für mich persönlich ein Weltstar, dessen Musik ich sicherlich noch in 20 Jahren hören werde. Und ganz viele Dinge damit verbinde.

Kann man schöner von einer Bühne abtreten wenn man erahnt, dass so viele Menschen so viele Erinnerungen mit seiner/ihrer Musik verbinden? Und das noch über Jahre oder Jahrzehnte?

Das schafft nur die Musik.

Share

Wenn die Gedanken auf einer Polly Pocket-Insel verweilen.

(Quelle Bild: Pixabay/geralt)

Manchmal staunt man nicht schlecht über die eigene Zerstreutheit oder aber auch die der anderen. In diesem besonderen Fall war es mein eigenes Versagen. Ich kenne das zwar schon, komme mit dem Dilemma auch klar seit 51 Jahren, aber in gleich geschildertem Fall war auch ich kurz überfordert!

Als ich eines abend nach Feierabend bei einem Kaffee in meiner Küche saß, klingelte mein Handy. Es war der Name einer ehemaligen Kollegin und guten Bekannten im Display zu erkennen.

Mein erster Gedanke war:

„Mist, da ist was passiert! Bestimmt warnt sich Dich vor, dass Du die Handtasche und Deinen Turnbeutel packen musst, weil hier in unserem Viertel irgend etwas dubioses vor sich geht oder noch kommt und Du raus musst aus der Bude!“

Dem war aber nicht so. Zum Glück.

Sie war gerade hier zu Besuch und wollte mich darüber informieren, dass die Fahrertür meines Autos auf dem Parkplatz sperrangelweit offen stand.

Ich bin mit gefühlten 200 km/h vom Küchenstuhl hoch und habe aus dem Fenster geschaut: Jepp, die Karre war offen!

Nach dem Bedanken für den Tipp und meiner Ahnung, dass mich das ganze Viertel hier für total plemplem hält, habe ich mir ratzfatz eine Jacke übergezogen, den Autoschlüssel geschnappt und gleich noch den Beutel mit dem Biomüll. Bloß nicht auffällig verhalten. Den Biomüll in die Tonne werfen und dabei ganz elegant und abgeklärt die Fahrertür schließen. Am besten noch pfeiffend.

Im Auto war noch alles wie immer und vorhanden: Mein Ordner mit Schulungsunterlagen, der Eimer mit Enteiserspray, Raumduft und Lappen, mein überfüllter Aschenbecher und meine Musikkassetten aus den 80er Jahren. Alles noch an Bord.

Wieder in der Wohnung angelangt habe ich versucht zu verstehen, was mich denn da geritten hat nach Feierabend. Ich hatte auf dem Rücksitz einen Rucksack und auf dem Beifahrersitz einen Rucksack sowie im Kofferraum Einkäufe. Bei diesem Tanz um das KFZ und dem schultern von all dem Kram hab ich wohl die Fahrertür vergessen.

Und ich habe noch jetzt meinen Vater im Ohr:

„Mädchen, hab mal Deine Gedanken beisammen! Haste denn den Kopp nur zum Haare schneiden?“

Scheinbar ja! Momentan bin ich auf der Suche nach einem Schriftstück welches mir überreicht wurde, als ich total gallig und sauer war. Ich weiß noch, dass ich es gefaltet habe mit absolut stinkiger Laune im Balg. Ab da verliert sich die Spur.

Aber gut, es wird sich wieder anfinden.

Vielleicht im Auto zwischen den Schulungsunterlagen, dem Raumspray und dem Aschenbecher. ^^

Share

Von Onkel Ferdi, Tante Frieda und ganz vielen Erinnerungen.

(Quelle Bild: Pixabay/Caboompics)

Die letzten Tage war ich gedanklich viel in meiner Kindheit und Jugend unterwegs. Grund dafür war der Blick auf  die Traueranzeigen unserer lokalen Zeitung. Ich hatte online etwas gesucht und bin über die Annoncen der letzten Wochen gestolpert. Da stand der eine bekannte Mensch und beim weiter scrollen der nächste geläufige Name. Alle waren im Alter meiner Eltern bzw. kannte ich diese durch sie. Es waren Freunde der Familie oder eben Menschen hier aus dieser Kleinstadt. Mir kamen sofort Bilder in den Sinn. Bilder von früher.

Von Geburtstagen, an denen Onkel Ferdi und Tante Frieda immer zu Besuch kamen und mit uns am Tisch saßen. Die uns Kindern meist kleine Geschenke mitbrachten. Bei denen man sich zu Hause so wohlfühlte wie in den eigenen vier Wänden. Die man bei jedem Geburtstag sah, bei jedem Grillen im Garten, auf der Kirmes oder wo auch immer. Die uns schlicht und ergreifend lange Zeit teils begleitet haben. Und zu denen ich selbst als erwachsene Frau noch immer „Onkel“ und „Tante“ sagte. Auch wenn es keine Verwandtschaft war. Eben die Freundin der Mutter und der Kumpel des Vaters.

Der Elektrofachmann, bei dem wir immer Lampen kauften. Oder andere elektronische Dinge. Der die Waschmaschine reparierte und dazu ins Haus kam. Ich war vor einiger Zeit noch in diesem Laden um einen Staubsauger zu kaufen. Den Elektrofachmann bekam ich nicht mehr zu sehen. Das Geschäft war noch eingerichtet wie früher. Ich hätte dort stundenlang verbringen können zwischen Glühbirnen, dem alten Quittungsblock und einem Geruch, welcher sich über all die Jahre zum Glück nicht verändert hat.

Die Dame, die ich als Kind in der Kirche immer gesehen habe am Samstagabend. Deren Stimme so einprägend war. An deren Mann ich mich nicht mehr erinnern kann, obwohl auch er jeden Samstagabend in der Kirche saß. Die immer so adrett gekleidet war und so sortiert wirkte.

Teils ist man diese älteren Herrschaften lange nicht mehr begegnet, aus welchen Gründen auch immer.  Aber beim Lesen ihrer Namen hatte ich so viel Kopfkino. Auch einige Dialoge kamen mir wieder in den Sinn. Die Erinnerung an alte Zeiten. An Kindheit und Jugend. An Hunderte von kleinen und großen Anekdoten. Auch der Rückblick auf die eigenen Eltern.

Nach und nach werden die Reihen immer dünner. Was normal ist und natürlich und dazu gehört. Aber jeder dieser Menschen lässt mich gedanklich zurückreisen in längst vergangene Jahrzehnte.

Das sind traurige, aber auf der anderen Seite auch tolle und schöne Erinnerungen …

(Namen sind frei erfunden).

Share

Ein Kurzurlaub der besonderen Art.

(Quelle Bild: Steffi Werner)

Sachen gibt`s – oder ein „wernerlastiger“ Kurzurlaub.

Einfach mal raus, ein paar Tage verreisen. Das war mein Plan für drei Tage. Das erste Mal seit der Pandemie. Und ich denke noch:

„Irgendein bekanntes Gesicht wirst Du schon treffen.“

Oder:

„Irgendeine Story wirst Du schon erleben.“

Bingo!

Das erste bekannte Gesicht traf ich kurz nach der Anreise. Die gute Frau hat mich aber nicht gesehen.

Das zweite bekannte Gesicht traf ich auf einer Insel an Tag zwei. Eine Frau, mit der ich meine Kindheit verbrachte. Kurzes Palaver und wir stellten fest, dass wir ja jetzt nicht sooo weit fern der Heimat sind. Da darf man sich auch gerne mal auf einer Insel über den Weg laufen 🙂

Die nächste kuriose Begebenheit vor dem Frühstück im Hotel. Bei der Zigarette am Morgen stehe ich vor der Tür und sehe Fahrzeuge einer mir bekannten Konzertagentur. Wir hatten vor knapp drei Jahren zusammengearbeitet.

Beim Frühstück dann gesellten sich zwei junge Männer an meinen Tisch. Und man kommt ins Gespräch bei Kaffee und Brötchen. Sie hatten am Abend zuvor ein Konzert aufgebaut in der Nähe und mussten am selben Tag weiter zum nächsten Gig. Ich dachte laut und murmelte vor mich hin, dass die von mir entdeckten Fahrzeuge der Konzertagentur vielleicht etwas mit der Veranstaltung am Abend in Zusammenhang stehen. Das bejahte einer der jungen Männer auch. Und so stellte sich heraus, dass sein Chef derjenige war, mit dem ich vor drei Jahren Kontakt hatte, heute noch habe über Facebook. Diesen musste ich natürlich sofort kontaktieren und von der Begegnung berichten.

Am letzten Tag, diesmal bei der Zigarette am Abend, stand vor dem Hotel ein LKW der Firma Werner. Mir blieb kurz die Spucke weg, denn mein Vater hatte auch ein Fuhrunternehmen namens Werner.

Kurz vor der Abreise, ich war wohl der letzte Gast im Hotel, kam ich mit dem Inhaber ins Gespräch. Er wusste sofort wer ich war, nur noch eine Frau Werner weilte in seinem Haus. Und er murmelte etwas von

„mir lief es kalt den Rücken runter, so viele Werners hier.“

Am Donnerstag hatte eine Frau Werner eingecheckt, am Samstag hatte eine Frau Werner eingecheckt, und am Montag hatte eine Firma Werner eingecheckt.

Im weiteren Gespräch erfuhr ich, dass seine Freundin Steffi heißt. Und auch aus Uslar kommt. Wir sprachen dann nochmals, er suchte sogar mein Zimmer auf und erzählte mehr belustigt, dass seine Freundin Steffi aus Uslar quasi gerade Stammbaumsuche betreibt wegen der Werners.

Nur leider, leider, sagten mir die Namen der Werners aus deren Bekanntenkreis so gar nichts.

Grüße gehen jedenfalls heute raus an die Konzertagentur Piekert, an Petra nebst Gatten, an die unbekannte Frau Werner, an die unbekannte Firma Werner, an die unbekannte Steffi P. aus Uslar und dem Hotel Ceteno in Bokeloh bzw. dem Herrn Müller. Und er würde noch weitere kalte Schauer bekommen wenn er wüsste, dass der Name Müller auch ein bekannter Name innerhalb meiner Familie war. Sachen gibt`s. ^^

Share

Ein merkwürdiger Trend.

(Quelle Bild: Pixabay/StockSnap)

Es ist wohl besser, bei einigen nachfolgenden Wörtern die Buchstaben durch * zu ersetzen, dem lieben Frieden und der respektvoller Ausdrucksweise zuliebe.

Anfangs fand ich es noch witzig, wenn ich Bilder von beispielsweise Tassen sah, auf denen „Halt die Fr*sse“ stand. Ist ja mal etwas anderes als Namen oder Hirsche oder was weiß ich.

Gut, dann kamen Shirts dazu mit Aufschriften wie „Ich hasse Menschen“, „ich liebe Steine“, „sprich mich nicht an! Du hast genug Probleme“, etc. Der Mittelfinger auf der Kaffeetasse ist ja auch ein Hingucker. Mein absoluter Favorit im negativen Sinn ist allerdings folgender Slogan: „Geh weg, Du unnötiger Sozialkontakt“.

Wie gesagt, anfangs fand ich das alles noch witzig, heute geht es mir allerdings ehrlich gesagt nicht nur auf den S*ck. Nee, ich finde diese Art und Weise quasi die Konversation, also das miteinander sprechen so negativ darzustellen, total grausam.

Okay, es kann ja sein, dass ich den Sarkasmus nicht verstehe oder den Trend generell nicht verstanden habe. Vielleicht mag mich da jemand aufklären.

Mir ist klar, dass einige meiner Bekannten und Freunde Jobs haben, in denen sie Dinge hören stundenlang, die ich wahrscheinlich keine 30 Minuten aushalten würde.

Bestimmt gibt es auch Leute, die froh sind wenn sie nach Feierabend nicht mehr sprechen müssen. Weil sie genau das 8 Stunden am Tag machen müssen. Vielleicht auch immer mit denselben Inhalten.

Und auch ich bin teils abends so genervt, dass ich weder langatmig Fragen beantworten möchte oder zuhören. Wenn ich froh bin meine Ruhe zu haben.

Aber ein „Halt die Fr*sse“ käme weder über meine Lippen, noch würde ich solche Statements teilen.

Komischerweise habe ich mir gemerkt, wer meiner Freunde scheinbar auf solche Botschaften steht. Was zur Folge hat, dass ich sehr zurückhaltend geworden bin in Bezug auf Gespräche. Oder Nachrichten in den sozialen Medien. Auch Kommentare betreffend.

Es ist nicht lange her, da waren viele von uns sicherlich froh, sich wenigstens verbal austauschen zu können. Nicht im Homeoffice zu vergammeln, sondern Kolleginnen und Kollegen um sich zu haben. Bei denen man sich vielleicht auch mal auskot*en konnte. Mit denen man diskutierte. Denen man gerne zuhörte. Gerade wenn man privat viel allein war. Und Kontakte runter fahren mussten wegen der Pandemie.

Dass gerade in Zeiten wie diesen solche Sprüche wie oben genannt einen Hype feiern, erschließt sich mir nur schwer.

Sicherlich lächeln viele über den Spruch mit dem unnötigen Sozialkontakt. Ich finde diese Betitelung einfach nur grausam.

Steine finde ich übrigens auch toll, ich mag aber die Menschen um mich herum.

Das sind auch keine unnötigen Sozialkontakte, sondern teils meine Familie, meine Kollegen, meine Bekannten und meine Freunde. Diese müssen bei mir nie die Fr*sse halten. Und diese hasse ich auch nicht, sondern ich schätze sie. ^^

Share