So wird das nix, Leute!

(Quelle Bild: Pixabay/concerdesign)

Die Tage beim Einkaufen hatte ich mehrere Begegnungen welche die Frage in mir laut werden ließ, welchen Teil der momentanen Beschränkungen/Auflagen einige wenige von uns noch nicht verstanden haben oder vielleicht nicht mehr verstehen wollen. Es sei vielleicht auch meiner nicht gerade rosigen Laune geschuldet gewesen, dass ich mich so tierisch aufgeregt habe und meine Klappe hielt.

Tatort war ein Discounter. Als ich mit Mund-Nasen-Maske bewaffnet und geschrubbten sowie desinfizierten Händen zwischen das Fleisch schaute, näherte sich rechts von mir eine ältere Dame. Und sie näherte sich und näherte sich und näherte sich. Scheinbar nahm sie meine Anwesenheit nicht zur Kenntnis. Da der Abstand von 1,50 Metern schon unterschritten war, ging ich zurück und gewährte der älteren Dame den Vortritt. Kann ja mal passieren, dass man die momentane Situation mit den momentanen Regeln vergisst. Ging mir auch schon so, kein Thema.

Ein paar Meter weiter dann beim Käse agierte die ältere Dame noch immer so. Sie nahm nicht zur Kenntnis, dass sie allen anderen auf die Pelle rückte. Sie sprang umher wie Herr Nilsson von Pippi Langstrump in der Villa Kunterbunt. Und im Gespräch mit den Angestellten nur einige Zentimeter von diesen entfernt war. Mich wunderte, dass diese nicht reagierten. Ich war so ab genervt, dass ich einen anderen Weg einschlug und aus ihrem Radius verschwand.

Da kam mir irgendwann diese ältere Dame entgegen mit ihrer Mund-Nasen-Maske UNTER der Nase endend. Sie trug ihre Maske falsch. Ich entschied mich sie nicht anzusprechen, da sie total aufgekratzt wirkte und meine Worte wahrscheinlich nicht bei ihr angekommen wären.

Vor mir der Mann an der Kasse hängte sich an seinen Vordermann als wolle er eine Polonaise einläuten, da war nichts mit Abstand. Die Dame hinter mir musste ich auch mit Blicken daran erinnern, dass sie mir den Hinterkopf hätte kraulen können. Oder sie hatte auch Bock auf eine Polonaise. Also auch da war nichts mit den 1,50 Metern Abstand. Wiederum eine andere Dame stand elendig lange vor einem Verkaufsständer und veranlasste den Rest der einkaufenden Gemeinde dazu, diesen Gang zu verlassen und durch die Nebengänge den Einkauf fortzusetzen, da sich besagte Frau auch recht breit machte in diesem Bereich. Und das nicht nur kurz. Vom permanenten Anfassen der Ware spreche ich lieber nicht. Sie hatte wohl keinen Bock auf eine Polonaise. Ich hatte echt kurz Hoffnung, Gottlieb Wendehals kommt gleich aus einem Karton gesprungen, wirft Konfetti über das einkaufende Volk und ruft:

„Corona ist vorbei, jetzt aber hier eine mordsmäßige Polonaise, Leute!“

Als ich fertig war mit meinem Einkauf, schon geladen bis dort hinaus von dem Erlebten, kam der Kracher: Die ältere Dame stand auf dem Parkplatz mit einer Bekannten (zumindest schienen sie sich gut zu kennen), beide ohne Maske und Arm an Arm über einen längeren Zeitraum. Ich kämpfte noch kurz mit mir jetzt ein paar Takte zu sagen, aber ich entschied mich wieder dagegen weil ich so sauer war, dass ich wahrscheinlich nicht hätte die Form wahren können und mein Benehmen mich verlassen hätte.

Die ältere Dame war über 70 würde ich schätzen, also ein Teil der Risikogruppe. Wir alle müssen momentan Regeln folgen, Abstand halten, uns total einschränken. Wir versuchen andere zu schützen durch die Mund-Nasen-Masken, wir machen das nicht in erster Linie zu unserer Sicherheit. Und genau die, welche wir schützen wollen und sollen, bekommen es nicht auf die Kette. Ich weiß nicht ob es eine Art Resignation ist, oder ob mit den (wirren und nicht einheitlichen) Lockerungen ein solches Verhalten jetzt das Resultat ist.

Ich denke mal, dass das Personal im Verkauf, der Gastronomie oder auch in anderen Bereichen dieses Schauspiel auch schon beobachtet hat und feststellt, wie wenig Sinn Diskussionen machen. Zumindest war ein gewisses Level an Abgenervtheit gestern beim Einkaufen zu spüren bei den Angestellten. Weil sicherlich die Damen und Herren im Einzelhandel 16945x am Tag die Kundinnen und Kunden immer wieder maßregeln müssen. Seit Wochen. Und wohl noch für Monate.

Der Schlenderian scheint jetzt die Oberhand zu gewinnen. Das finde ich bedenklich …

Share

Gummihandschuhe – man findet dieser Tage in Uslar viele Gummihandschuhe.

(Quelle Bild: Pixabay/KlausHausmann)

Schon zum zweiten Mal ist mir beim Einkaufen aufgefallen, dass auf den Parkplätzen oder vor den Discountern Gummihandschuhe ihr Unwesen treiben. Scheinbar von Menschen achtlos entsorgt, welche wahrscheinlich mit dem Tragen genau dieser Handschuhe etwas Gutes im Sinn hatten: Sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen.

Nun sind wir alle keine Mediziner, Virologen, etc. Zudem stehen wir mehr oder weniger momentan neben uns.

Muss es aber wirklich sein, dass getragene Gummi-/Einmalhandschuhe vor die Geschäfte geworfen werden? Es wurden doch die Mülleimer nicht weggeschlossen. Ist es wirklich zu viel verlangt, diese Handschuhe dann ordnungsgemäß zu entsorgen?

Wir haben uns in den vergangenen Tagen/Wochen bei dem Personal des Einzelhandels bedankt. Weil sie über sich hinauswachsen mussten und gerade noch müssen.

Ist es dann nicht umso bitterer, dass genau diesen Damen und Herren Dreck vor die Tür geworfen wird? Wer sammelt denn morgens, abends oder zwischendurch die getragenen Handschuhe auf und entsorgt sie?

Ist es nicht umso bitterer, dass wir genau diese mit Bakterien/Viren verseuchten Handschuhe (außer COVID-19 gibt es noch MRSA, Pseudomonas aeruginosa, Escherichia coli oder die simplen Bakterien/Viren, verantwortlich für den Magen-Darminfekt etc.) den Menschen vor die Füße werfen, welche eh schon einer großen Infektionsgefahr ausgesetzt sind?

Zu den Handschuhen ein Auszug der Seite Utopia:

>>„Hört auf, medizinische Handschuhe in der Öffentlichkeit zu tragen“, schreibt Dr. Marc Hanefeld, ein Allgemeinmediziner aus Niedersachsen, auf Twitter. „Das ist eine hygienische Sauerei großen Ausmaßes.“ >>Gummihandschuhe seien nur im medizinischen Alltag sinnvoll, die Träger*innen schützen sich mit ihnen vor größeren Verunreinigungen,<<

>> Im Alltag werden die Handschuhe Hanefeld zufolge schnell porös und damit durchlässig. „Weder Träger noch Patient/Berührter werden durch med. Handschuhe geschützt. Vor und nach Gebrauch ist eine hygienische Händedesinfektion notwendig.“ Die korrekte Händedesinfektion halte selbst „50 Prozent des Gesundheitspersonals“ nicht ein. Dringen Bakterien, Keime oder Viren durch den porösen Handschuh ein, treffen sie auf ideale Bedingungen: „Unter dem Handschuh vermehren sich Bakterien mit Freude, in der feucht-warmen Kammer. Spätestens nach dem Ausziehen hat man ohne Desinfektion eine Kloake an den Händen.“ Hinzu komme, dass Plastik im Vergleich zu Haut mehr Keime an die Umgebung abgebe.>>

Ein Discounter hier in Uslar hatte die Tage eigene Einmalhandschuhe vor der Ladentür hinterlegt, die Kunden konnten sich kostenlos damit „präparieren“. Es macht mich persönlich sprachlos, dass dieses Angebot angenommen wird, man aber scheinbar diese Art von Unterstützung nach der Nutzung nicht mehr zu schätzen weiß und diese kostenlose Hilfestellung in gebrauchtem Zustand wieder an den „Sponsor“ zurück gibt. Vor die Ladentür geworfen. Respektloser geht es kaum.

Die momentan herrschende Krise um COVID-19 heißt im übrigen auch nicht, dass der Umweltschutz jetzt keine Rolle mehr spielt. Einmalhandschuhe einfach fallen lassen ist auch in dieser Zeit kein Kavaliersdelikt.

Falls die Mundschutzmaskenpflicht kommt, ahne ich was dann demnächst zu den Handschuhen hinzukommt vor unseren Füßen auf den Straßen von Uslar. Und nicht nur in Uslar.

Share

Es passieren dieser Tage auch schöne Dinge

(Quelle Bild: Kranich17/Pixabay)

Ich hoffe, Sie sind okay/ihr seid gesund.

Es passieren dieser Tage wirklich schöne Dinge. Auch witzige Begebenheiten welche mich und vielleicht auch andere mal kurz zum Lachen bringen und für ein paar Momente für „Normalität“ sorgen.

Irgendwie sitzt die 2 Meter-Regel beim Einkauf noch nicht bei allen. Teilweise, gerade wenn man Bekannte/Freunde trifft, stürmt man diesen sofort entgegen um dann im letzten Moment stark abzubremsen, weil man auch bei ihnen den Abstand einhalten muss. Aus diesem Grund fahre ich erst recht spät los, und das hat sich auch ausgezahlt. Man rennt nicht total hektisch durch den Laden weil man teilweise den anderen Menschen schlecht ausweichen kann. Ich war letztens bei der Dauerwurst eingekesselt und kam da nicht raus weil die Damen und Herren links und rechts von mir nicht in die Klotschen kamen und mich wohl nicht sahen. Aber gut, ich bin jetzt gut informiert zum Thema Dauerwurst. Stark frequentierte Läden meide ich ganz akribisch, ich wäre überfordert und würde wahrscheinlich auch auf andere desorientiert wirken. Selten bin ich so dermaßen kreuz und quer durch die Läden geirrt wie dieser Tage.

Was habe ich mich am letzten Montag gefreut meine Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen. Generell auf die Arbeit. Mal etwas anderes um die Ohren zu haben, mal kurz das Herz ausschütten dürfen, vielleicht auch mal schmunzeln. Konzentriert sein auf seinen Job. Zum Glück sind der Kurze und ich gerade in krisensicheren Jobs, ich weiß das echt zu schätzen.

Meine Kollegen und ich konnten vor ein paar Tagen Mehl und Toilettenpapier auf der Arbeit erwerben. Da gab es eine Situation welche so komisch war, dass ich 15 Minuten gelacht habe wie doof.  Wir können dort zudem momentan kostenlos Frühstück bekommen oder Mittagessen oder Abendbrot. Eine wie ich finde tolle Geste seitens der Geschäftsführung.

Wie man teilweise nachvollziehen kann, sind viele nach drei Stunden im Job schon total kaputt, haben Wortfindungsstörungen oder reagieren dieser Tage etwas merkwürdig. Ich konnte bei meinen Freunden Dinge lesen/hören, die mich kurz lachen ließen: Die eine geht ohne Schuhe aus dem Haus, die andere verwechselt die Katze mit der Sporttasche, wiederum andere wissen beim klingeln vom Wecker nicht welcher Wochentag ist und diese kommen dann zu total ungewöhnlichen Zeiten zur Arbeit 🙂 Weil die Routine im privaten Umfeld fehlt, z. B. Hobbys betreffend, welche uns durch den Alltag führte.

Man macht seinen Job, ist aber immer noch nicht angekommen bei dem was gerade passiert. Oder man informiert sich kurz mittendrin und merkt, dass man all das nicht unter einen Hut bekommt bzw. viele von uns ermüdet.

Eine Sache habe ich gerade für mich entdeckt welche ebenfalls kurz abschalten lässt: Radio hören. Gerade die letzten Tage habe ich mich oft dabei erwischt bei einer Tasse Kaffee in der Küche zu sitzen und mit den Füßen zu wippen. Mein momentaner Lieblingssender beginnt mit einem großen „N“, endet mit einem großen „R“ und dann folgt eine „1“. Dieser sendet nicht nur schwere Kost, sondern viel Musik aus vergangenen Jahrzehnten, welche einen gedanklich kurz abtauchen lässt. Zudem wird auch über andere Dinge berichtet dieses Bundesland betreffend. Das tut echt gut.

Um uns herum formiert sich Hilfe, in den Städten und auf den Dörfern. Einkaufshilfen, das verbreiten von Bringdiensten in der Gastronomie (welche es jetzt gerade auch schwer getroffen hat) usw. Wir rücken alle mehr zusammen. Die Hilfsangebote sind toll, eine(r) nach der/dem anderen bringt sich ein und bietet Hilfe an auf total vielfältige Art und Weise.

Wir telefonieren wieder mehr. Weil man einfach kurz die Stimmen der Familie/Freunde hören möchte um sich zu vergewissern, dass alles gut ist.

Das schönste in den letzten Tagen waren die Worte einer meiner besten Freundinnen, die am Ende eines Telefonats zu mir sagte:

Ich hab Dich lieb“.

Ich Dich auch, Tina.

Da muss man kurz schlucken, ist aber auch dankbar für solche Freunde.

Es passieren dieser Tage auch schöne Dinge, und ich hoffe, wir vergessen das nie. ^^

Share

Eine Premiere ohne Generalprobe.

 

(Quelle Bild: Pixabay/Zappa 99020)

Hallo Ihr Lieben, ich hoffe es geht Ihnen/euch gut. 

Vielleicht geht es anderen Seitenbetreiberinnen/Seitenbetreibern bzw. Administratoren ähnlich: Man ist unsicher, was man dieser Tage an Beiträgen schreiben/hochladen soll.

Mir geht es so. Auf der einen Seite werden die Entwicklungen um den Virus zuhauf diskutiert, debattiert, erklärt usw. Alle haben den Kanal voll sozusagen. Da möchte man nicht in dieselbe Kerbe schlagen.

Auf der anderen Seite fühlt es sich falsch an wenn man unterhaltsame/humorvolle Dinge veröffentlicht, man möchte nicht respektlos wirken.

Es seien mir noch ein paar Worte zum heutigen Tag erlaubt, und dann werde ich sicherlich auch wieder das machen was ich mir vorgenommen hatte: Euch unterhalten und euch zum Lachen bringen. Ich brauche allerdings noch etwas.

In den letzten Tagen habe ich mir eines immer wieder gewünscht: Aufwachen und feststellen, dass alles nur ein böser Traum ist. Bis jetzt habe ich echt Probleme all das zu verstehen oder zu verinnerlichen was da gerade passiert.

Manchmal weiß ich nicht ob ich Dinge belächeln soll oder mich aufregen, gerade was die Postings in den sozialen Netzwerke betrifft. Die nicht enden wollenden Hamsterkäufe um das Klopapier zum Beispiel regen mich morgens auf, mittags lache ich mich schlapp darüber und abends bin ich wieder geschockt. Viele von uns haben sich sicherlich noch nicht eingependelt in eine Situation, welche uns gerade beherrscht und die wir in der Art noch nicht kannten.

Gerade heute, nach all den Pressekonferenzen und deren Inhalten/Marschrouten für die nächsten Wochen, war dieses ambivalente Verhalten viel zu beobachten.

Meine Gedanken waren oft:

Ich bin froh, dass meine Eltern all das nicht mehr erleben müssen.“

Ich denke, dass die älteren Leute welche die Hamsterkäufe auf die Spitze treiben, dieses nicht tun aus Egoismus oder Boshaftigkeit: Nein, viele von ihnen sind traumatisiert durch ganz andere Erlebnisse.

Ich denke, dass viele junge Leute welche auch die Hamsterkäufe auf die Spitze treiben, dieses ebenfalls nicht aus Egoismus oder Boshaftigkeit tun: Nein, auch sie haben Angst und stehen einer Situation gegenüber, welche sie vielleicht nicht einordnen können.

Klopapier, warum orientieren sich so viele an Klopapier?

Vielleicht deshalb, weil es ein simples Produkt ist und dieses simple Produkt irgendwie ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Ich könnte noch auf die Kindergarten- bzw. Schulschließungen eingehen, welche einen Sinn hatten: Die Ausbreitung einzudämmen. Wie die Tage oft zu sehen war und zu lesen, nutzen einige Familien diese Schließungen für Stadtbummel. Aber vielleicht gehören auch diese Familien zu denen, welche erst realisieren müssen was gerade passiert.  Weil es echt schwere Kost ist.

Es ist niemanden geholfen, und das sage ich auch mir, jetzt aggressiv zu urteilen/verurteilen:

Es ist eine Premiere ohne Generalprobe.

Als heute beschlossen wurde, dass Gaststätten um 18 Uhr schließen ab morgen, war mein erster Gedanke:

Geh da hin, das geht in Zukunft nicht mehr.“

Ich gehe selten Essen, schon gar nicht unter der Woche. Was ein Irrsinn.

Wir haben in der Vergangenheit oft gelebt wie die Made im Speck, wir hatten so viel Freiheiten, wir konnten auch hier in Klein Kleckersdorf am späten Abend noch in eine Kneipe rammeln oder eine Pizza bestellen. Und Klopapier kaufen bis der Arzt kommt.

Die persönlichen Interessen nun reglementiert zu bekommen, das fällt uns allen sicherlich mehr oder weniger schwer.

Was auch ich mir vornehmen muss: Verurteile nicht vorschnell und bleibe locker.

Es ist wie es ist, und wir wollen doch alle schnell wieder zur Normalität übergeben und dem Virus Einhalt gebieten.

Und wisst ihr woran ich nach all den Pressekonferenzen heute dachte?

Wenn das alles vorüber ist, wenn der Virus eingedämmt ist und das „normale Leben“ wieder beginnt, dann möchte ich mich in meiner Heimatstadt mit einer Flasche Sekt in die Innenstadt begeben und all das feiern. Mit Freunden, Nachbarn und gern auch mit den Inhabern von 37 Paketen Klopapier. ^^

Share

Gestern noch so – heute aber so.

(Quelle Bild: Pixabay – Alexandra_Koch)

Eines vorweg: Ich möchte hier keine Panik machen, Angst verbreiten, negative Stimmung herauf beschwören. Es geht einfach nur um einen Tag, welcher mich quasi von rechts auf links gekrempelt hat.

Und noch eines vorweg: Heute verneige ich mich vor allen Arztpraxen, Notaufnahmen, Krankenhäusern, Rettungssanitätern etc.: Was diese alle leisten, schon leisten mussten und noch leisten werden, das hat meinen höchsten Respekt verdient.

Aber beginnen wir von vorne.

Ich war in den letzten Tagen echt abgenervt von den Meldungen, den Diskussionsgrundlagen und vielen Postings zum Thema Coronavirus. Bis gestern fand ich das alles überzogen, teilweise deplatziert etc. Ich konnte Worte wie „Klopapier“, „Mehl“, „Hamsterkäufe“ usw. nicht mehr hören.

Gestern Abend nach Dienstschluss auf dem Weg nach Hause fühlte ich mich irgendwie total schlecht. Ich war müde, kaputt und fühlte mich krank. Das ging weiter bis heute früh. Mir schoss in den Kopf, dass ich in einer Klinik arbeite und auf einem Konzert war mit weit über 1000 Besuchern. Da ging das Gedankenkarussell schon los. Also rief ich meinen Hausarzt an, das wurde ja empfohlen. Nicht dort auftauchen – erst telefonisch melden. Nach Schilderung meiner Beschwerden und Erwähnung des Konzertes am WE wurde ich einbestellt gegen Mittag. Normalerweise rammele ich rein in die Praxis, quatsche mit den Arzthelferinnen und nehme im Wartezimmer Platz. Aber heute war alles anders: Nur kurz rein um sich anzumelden, Hände desinfizieren und dann wieder raus auf den Parkplatz. Ich stand dort mit zwei anderen Personen, wir stellten uns automatisch weit auseinander. Und wir wirkten alle 3 gedankenverloren. Ich fragte mich wie lange das Personal in dieser Praxis schon auf den Beinen ist und wie lange sie am heutigen Tag noch auf den Beinen sein werden. Welche Panik die Angestellten dieser Praxis vielleicht vor einer Ansteckung haben. Wie sie nach bestem Wissen und Gewissen mit dem Thema umgehen. Wie sie überlegt und entschieden haben das alles zu organisieren. Eine Ausnahmesituation. Die Entscheidung, die Leute mit Erkältungssymptomen nach draußen zu schicken, fand ich total sinnvoll. Mich störte das nicht.

Und während ich dort stand, kam echt etwas Panik in mir auf. Und wirre Gedanken.

Wie organisiere ich mich, wenn ich in Quarantäne muss?“

Wen habe ich vielleicht angesteckt?“

Was denken die Leute, die mich jetzt hier stehen sehen?“

Kann ich mein Immunsystem noch hochfahren, obwohl ich jetzt nicht so gesund lebe?“

Alles gut, meine Symptome konnten den Coronavirus ausschließen, ich bin einfach nur erkältet.

Den Rest des Tages war ich viel online und klickte dann doch den ein oder anderen Artikel dieses Thema betreffend an. Nicht genervt, sondern wissbegierig. Und ich tauschte mich aus mit Freunden und Kollegen. Erfuhr von den neusten Vorsichtsmaßnahmen, wer noch krank auf dem Sofa liegt, und auch von den fast im Minutentakt abgesagten Veranstaltungen.

Gestern war ich noch der Meinung, dass das alles überzogen ist. Heute finde ich all die Maßnahmen mehr als okay.

Wie gerne gehe ich auf Veranstaltungen, wie gerne treffe ich meine Freunde im großen Rahmen, wie gerne lerne ich neue Leute kennen. Partys/Events/Märkte/Ausstellungen und all das waren für mich immer wie Urlaub, ich konnte so gut dabei abschalten. Nun ist das für unbestimmte Zeit Geschichte, und irgendwie fühlt sich das merkwürdig an. In 49 Jahren habe ich eine solche Stimmung noch nicht erlebt. Schlimmer aber die Aussicht, dass berechtigterweise Schulen und Kindergärten geschlossen werden, aber die Eltern, die  in der Medizin zu Hause sind und so dringend gebraucht werden dieser Tage, jetzt ein Problem haben. Wie andere Eltern im Fall der Fälle auch.

Die Liste lässt sich fortsetzen mit all den Vereinen, welche jetzt pokern müssen mit ihren Veranstaltungen in naher Zukunft. Mit euch möchte ich nicht tauschen.

Kommt gut und gesund durch diese Krisenzeit.

Gruß an Angela, Martina, Simone, Marina und Kollegen/Kolleginnen: Ihr macht das toll. ^^

Share

Sie spaltet die Nation: Daniela B.

(Quelle Bild: Pixabay/bere69)

Vorweg sei gesagt, dass ich genannte Dame nicht persönlich kenne, die folgenden Worte sind nur meine Sicht auf die Dinge/diese Frau und beruhen nicht auf belegbaren Fakten. Daniela B. wäre nie in meinem Freundeskreis, uns trennen Welten.

Kaum eine Frau hat im Jahr 2019 so polarisiert wie Daniela B. Zum einen durch die Presse/die Medien, zum anderen durch ihre penetrante Art sich in den Fokus der Öffentlichkeit stellen zu wollen. Egal mit welchem Hintergrund, egal mit welcher Botschaft. Aber immer scheint bis zum heutigen Tag der Tod des Ehemannes der immerwährende Mittelpunkt und Aufhänger zu sein. Sicherlich verpackt jeder diese Art Schicksalsschlag komplett unterschiedlich. Und sicherlich kann man sich nicht in Personen versetzen, welche mit einem solchen Drama umgehen bzw. leben müssen. Das macht jeder auf seine Art und Weise ab.

Man muss auch nicht darüber diskutieren, dass es eine Mutter von 5 Kindern schwer hat um finanziell alles zu wuppen. Wenn sie eben keiner geregelten Arbeit nachgeht welche jeden Monat ein solides Einkommen sichert.

Nun ist „Madame“ im Dschungel und glänzt meiner Meinung nach mit wenig Sympathie. Die dauernd nörgelnde Daniela vom ersten Moment an welche eine negative Aura hat, viele negative Äußerungen tätigt, welche sich auch durch eine negative Mimik und negatives Verhalten darstellt. Und welche scheinbar eine Rolle spielt, denn ich empfinde sie als wenig authentisch und real.

Wer sich an ihre „Kampfansagen“ im Vorfeld erinnert, der wird, wie ich auch, mehr erwartet haben:

  • Eine kämpfende Daniela, welche über sich hinaus wächst und uns allen zeigt wo der Frosch die Locken hat.
  • Eine kämpfende Daniela, die sich neu definiert und das ewig nachklingende „mein Mann“ von sich aus etwas weniger benennt.
  • Eine kämpfende Daniela, welche sich nicht hinter ihren persönlichen Dramen versteckt bzw. durch diese Art „Welpenschutz“ Respekt,  Verständnis und Ansehen erwartet von der Welt.

Ich würde gerne eine Daniela sehen welche von sich erzählt, die ihre Person in den Vordergrund stellt, die aus ihrem Leben VOR Jens berichtet.

Daniela B. verrät sich scheinbar immer wieder durch ihre Körpersprache, sie ist eine Paradebeispiel wie man es nicht machen sollte. Was sie sagt und wie sie dabei agiert, das beißt sich ohne Ende.

Seit der Ausstrahlung vom Dschungelcamp werden die kritischen Stimmen immer mehr und immer lauter. Die Mehrheit, ich würde schätzen 80% der User im www., scheinen abgenervt von ihr. Egal auf welchen Seite man liest: Die meisten lassen kein gutes Haar an ihr. Das untermauert wohl auch die Entwicklung, dass sie wiederholt in die Prüfungen muss. Man möchte sie scheitern und leiden sehen.

Auf der einen Seite sicherlich traurig, auf der anderen Seite allerdings auch die Abrechnung auf ihr eigenes Verhalten im Vorfeld.

Man kam gerade bei Instagram nicht mehr hinterher bei ihr. Daniela B. schien dort zu posten in einer Intensität und mit teilweise inhaltlosen Bildern welche den Verdacht nahe legen, dass sie sich um eines mit Inbrunst kümmert: Das Smartphone. Ich kann ihr dort nicht mehr folgen da wir uns scheinbar zeitgleich blockiert haben. Ach Herrje 😉

Ich persönlich war der Meinung und hatte die Hoffnung, sie würde sich gut auf das Camp vorbereiten. Gerne auch mit Hilfe von außen. Im Bezug auf ihr Image, auf ihre Kritiker, für ihren Fortbestand in der Fernsehlandschaft bzw. vor der Kamera. Dass sie die Gunst der Stunde nutzt um sich zu zeigen.

Tja, dem war nicht so. Ganz im Gegenteil, ich empfinde sie als total nervtötend, penetrant und wenig belastbar sowie noch weniger daran interessiert über sich hinaus zu wachsen. 

Die Stimmen bekannter Menschen sprechen für mich auch eine eindeutige Sprache, weil auch dort Unverständnis über ihr Verhalten laut wird. Denken wir an die Worte von Dèsirèe Nick oder Thorsten Legat. Und sie liegen scheinbar goldrichtig mit ihrer Einschätzung. Hut ab, dass sie zu denen gehören, welche vor laufender Kamera das aussprechen was viele denken.

Vielleicht würde auch ich als Mutter von 5 Kindern die Chance nutzen eine enorme Gage mitzunehmen um meine Rechnungen bzw. das Leben bezahlen zu können. Aber sicherlich wäre ich vorher daran interessiert gewesen Eindruck zu hinterlassen. Einen guten Eindruck. Um weiter interessant zu bleiben und einen gewissen positiven Wiedererkennungswert zu nutzen. Und mit dem Gefühl eine Gage im 5- oder 6-stelligen Bereich bekommen zu haben für eine Leistung, für die ich alles gegeben habe.

Mit der vergeigten Prüfung im Dschungel an Tag 1 und Tag 2 hat sie sich den Spott quasi hart erarbeitet.

Mit der, wie ich es empfinde, Arroganz gegenüber ihren Mitstreitern nicht weniger.

Dass selbst ihre Fürsprecher jetzt wanken bzw. sie kritisieren zeigt, dass die Zeit des Verständnisses und der Schonfrist vorbei ist.

Ob sie nun traumatisiert ist oder nicht, das mag ich nicht beurteilen.

Ich finde es nur mehr als merkwürdig, dass sich eine „Witwe“ optisch total zu ihrem Vorteil verändert nach dem Tod des ach so geliebten Ehemannes, während eine andere Ex-Freundin von ihm daran fast zerbricht. Das ist nur meine persönliche Beobachtung/Interpretation.

Welche Rolle die Produktionsfirmen spielen in diesem Theater, das ist mir bis jetzt nicht klar. Ich kann mich allerdings gerade des Eindruckes nicht erwehren, dass schon im Vorfeld klar ist wer der Honk ist und wer der Zonk. Eine Frau B., die im Vorfeld über Monate hofiert wurde, wird nun in einem ganz schlechten Licht dargestellt. Das ergibt für mich keinen Sinn und untermauert meinen Verdacht. 

Und falls mir jetzt welche kommen mit „Neid“ und dem Rotz: Worauf? Neidisch bin ich, wenn überhaupt, auf Menschen welche Unvergleichbares leisten, ob durch ihre Jobs oder durch ehrenamtlichen Einsatz. Welche Sympathieträger sind und positiv in Erscheinung treten sowie auch so wahrgenommen werden. Und ganz wichtig: Welche sich selbst treu bleiben und mich berühren in irgendeiner Art und Weise. Die vor die Kamera gehören weil sie talentiert sind, egal in welcher Sparte.

Erschreckend, was für Äußerungen die Fans von Daniela B. vom Stapel lassen. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und da fällt mir folgender Spruch ein:

Adler fliegt mit Adler, und Kanalratte läuft mit Kanalratte.“

Nach der Ansage an ihre Tochter vor dem Camp in einem Interview mit ähnlichen Worten wie:

„Ich hole die Krone, denen da drin haue ich auf`s Ma..“

darf gerne jeder spekulieren, ob ich sie im Bezug auf meinen o. g. Spruch eher in der Luft sehe oder im Kanal.

Wer in einem Anfall totaler Panik, kreischend und heulend in einer Prüfung dann doch die Zeit findet eine Moderatorin zu bitten sie „Danni“ zu nennen, den kann ich dann nicht ernst nehmen, sorry. Wäre ich in Panik, würde ich nicht mal bemerken wenn mich jemand „Flipper“ oder „Hasso“ nennt. Ein weiterer Verdacht meinerseits, dass sie nur eine Rolle spielt und nicht annähernd sie selbst ist.

Und ja, ich nehme mir gerne die Zeit viele Kommentare zu lesen, die Sendung zu verfolgen und etwas zu schreiben.  Am Wochenende. Weil in der Woche hier ein Job an erster Stelle steht. Ich bin übrigens auch alleinerziehend.

Das Dschungel-Camp, es ist wie ein Unfall: Man möchte wegschauen, schafft es aber nicht. Sicherlich eine Art von abgeschwächtem Voyeurismus, das streite ich nicht ab. 

So, Daniela B., Sie haben ja noch etwas Zeit sich zu zeigen und zu beweisen. Ich drücke Ihnen die Daumen. Zudem habe ich mir gerne die Zeit genommen Sie zu thematisieren. Bitteschön. ^^

Share

Und wieder Mal beeindruckt es mich leider erst im nachhinein.

(Quelle Bild: Pixabay/Karsten Bergmann)

Mehr durch Zufall schaltete ich am 01. Januar durch das Fernsehprogramm und landete in einem Interview von Reinhold Beckmann mit Jan Fedder beim NDR aus dem Jahr 2018. Ich hatte zwar durch die Medien mitbekommen dass er verstorben ist, aber ich wusste nichts von seiner schweren Erkrankung über viele Jahre. Wenn das Großstadtrevier hier hin und wieder lief, war es meist sehr unterhaltsam durch ihn, allerdings habe ich es nie regelmäßig geschaut. Dass gerade ich mit Sinn für trockenen Humor nicht eine Folge von „Neues auf Büttenwarder“ geschaut habe, das ging mir gestern mehrmals durch den Kopf wenn Ausschnitte dieser Serie zu sehen waren. Köstlich, dieses Dialoge.

Zwei Sätze von Jan Fedder ließen mich interessiert aufhorchen als Reinhold Beckmann zu ihm sagte, dass er alles nur mit sich ausmacht. Die Antwort von Jan Fedder war:

„dann ziehe ich mich zurück und mache das mit mir selbst aus“

das muss man mit sich selber klären.“ 

Das kam mir sehr bekannt vor, und ich musste an eine Diskussion zu dieser inneren Einstellung denken vor langer Zeit mit einer Freundin zu diesem Thema. Zu gerne hätte ich das Interview bis zum Schluss geschaut, allerdings kam mir an diesem Abend etwas dazwischen. Gestern erst habe ich das komplette Interview gesehen plus die Dokumentation mit dem Titel  Jan Fedder – mit Ecken, Kanten und ganz viel Herz“. Viele seiner Schauspielkolleginnen und -kollegen haben gesprochen. Wirklich interessant, sollte man sich anschauen beim NDR.

Menschen mit Ecken und Kanten, welche so ticken wie sie eben ticken und sich da auch nicht von abbringen lassen, das sind für mich die interessantesten und ehrlichsten Menschen. Die sich nicht verstellen um des lieben Friedens Willen oder aus Angst vor Kritik und vielleicht auch Zurückweisung. Die ihr Ding durchziehen und sich selbst treu bleiben. So kleine Rebellen, die mochte ich schon immer.

Mir haben viele seiner Worte gestern total imponiert und ich denke auch heute noch über seine Aussagen nach. Weil einige seiner Worte Antworten auf Fragen waren, die ich mir seit geraumer Zeit hin und wieder stelle. Klingt jetzt kitschig, ist aber so.

Schmunzeln musste ich bei der Aussage

„Jan hat komplett einen an der Latte, und das macht ihn ja aus.“

So beschrieb ihn Carlo von Tiedemann in dieser Doku. Es ist liebevoll gemeint wenn ich sage, dass die meisten meiner besten Freunde „einen an der Latte haben“. Genau aus diesem Grund sind es meine besten Freunde.

Wieder Mal verfolge ich die Geschichten von sehr bekannten Menschen, über die nach deren Tod berichtet wird, und wieder Mal beeindruckt es mich leider erst im nachhinein.

In den nächsten Monaten werde ich mir sicherlich am Rechner „Neues aus Büttenwarder“ anschauen und den Film „Der Mann im Strom“. Die Ausschnitte gestern haben mich sehr neugierig gemacht.

Was ich aus den Worten von Jan Fedder mit ins neue Jahr nehme? Niemals die eigene Authentizität verlieren. ^^

Share

Von widerwärtigem Journalismus und Profitgier.

(Quelle Bild: Pixabay/Alexas_Fotos)

Das Drama um den Doppelmord in Göttingen werden sicherlich viele verfolgt haben. Ich nicht weniger, Göttingen ist von hier knapp 35 km entfernt.

Auf die Inhalte dieser brutalen und schwer nachvollziehbaren Tat gehe ich nicht näher ein, es geht auch nicht darum jetzt eine Diskussion um diesen Fall loszutreten.

Mir geht es mehr um die widerwärtige Berichterstattung und die Aasgeier, welche um dieses Drama kreisten wie der Teufel um die arme Seele weil sie den Rubel rollen sahen und noch rollen sehen.

Nachdem ich am Donnerstag bezüglich dieses Falles einen Anruf erhalten hatte, bin ich online gegangen und habe versucht herauszubekommen was genau denn dort passiert war. Der Täter war noch auf der Flucht, bewaffnet, und die Bevölkerung wurde um Vorsicht gebeten. Man sollte keinesfalls Anhalter mitnehmen oder ihn ansprechen falls man ihn erkennt.  Eine Personenbeschreibung ging online und Bilder des Täters.

Der Kamm schwoll mir an als ich merkte, dass ich auf der Seite einer lokalen Tageszeitung (online) einen Artikel nicht bis zum Ende lesen konnte mit den genaueren Warnungen/Hinweisen an die Bevölkerung. Der Artikel wäre nur dann einsehbar gewesen wenn ich ein Abo abgeschlossen hätte. Für knapp 2,50 Euro. Der erste Monat ist frei. Super Nummer, Leute. Super Nummer 😉

Da rennt ein bewaffneter Mann herum der eine Frau umgebracht hat und eine andere schwer verletzt, und ich soll ca. 2,50 Euro bezahlen um die genaueren Hinweise lesen zu dürfen?

Sorry, aber geht`s noch? Hätte man aufgrund der Gefahr diesen Abo-Rotz nicht weglassen können?

Das war die erste Sache die mich furchtbar aufgeregt hat.

Kommen wir zur zweiten Sache:

Seit irrsinnig langer Zeit regen wir uns darüber auf, dass Gafferbilder von Unfällen, Dramen etc. in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Wir schreien danach, dass diese Leute so hart bestraft werden, dass es wehtut. Auch unsere Presseportale, großen Nachrichtenmagazine und kleinen Lokalredaktionen haben mit in das Horn geblasen und diese Entwicklung moniert.

Im Fall vom Göttinger Mord tauchen urplötzlich in einigen Artikeln Bilder auf, welche die abgedeckte Leiche der Frau zeigen. 

Und auch da fragte ich mich: Sorry, geht es noch?

Diese Bilder haben keine sachdienlichen Hinweise geliefert, sie zeigen ein grausames Schicksal.

War es wirklich nötig die Artikel um diesen schrecklichen Vorfall mit diesen Fotos online zu stellen? Hat mal jemand kurz an die Familie des Opfers gedacht? An die Tochter zum Beispiel welche ihre Mutter verloren hat? An deren Ehemann? Generell an die Familien und Freunde, Kollegen und Nachbarn?

Ihr Nachrichtenmagazine dreht euch im Wind wie es eure Quote wünscht. Auf der einen Seite die Moralapostel, auf der anderen Seite kalt und skrupellos.

Ich weiß, ich weiß, die kleinen Zeitungen kämpfen um das Überleben weil wir alle für „umme“ online unsere Infos bekommen. Das genau macht den kleinen Redaktionen zu schaffen und sorgt dafür, dass immer weniger Zeitungen gekauft werden. Ich kann das alles nachvollziehen. Keine Redakteurin und kein Redakteur arbeitet für Luft und Liebe.

Aber rechtfertigt das eine solch geschmacklose, pietätlose und respektlose Art und Weise?

Ich sage klar und deutlich NEIN.

Kracher war dann noch unser Privatsender mit den drei Buchstaben, welcher sich anmaßte zu behaupten, sie hätten „herausgefunden, dass der Täter ein bekannter Schwerverbrecher ist.“

Woraufhin ein User schrieb:

Nichts habt ihr …, Das sind Infos, die die Polizei herausgegeben hat.“

100 Punkte für das Statement des Users.

Aber wir rennen offene Türen ein wenn wir das alles ansprechen.

The Show must go on. I know. 

Share

Das Ende der Geschichte von einem Vater und seinen drei Töchtern.

(Quelle Bild: Steffi Werner)

Als das Drama um meinen/unseren Vater im April begann ahnte ich schon, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Trotz hoffnungsvollen Momenten. Für mich fing zu diesem Zeitpunkt schon das Abschiednehmen an. Stück für Stück. Tag für Tag.

Trotzdem dachte ich, mir reißt es den Boden unter den Füßen weg als mein Telefon klingelte und man mir sagte, dass mein Vater  eingeschlafen sei. Da er zuletzt in der Klinik lag in der ich arbeite, war ich in ein paar Minuten bei ihm und sah seinen friedlichen Gesichtsausdruck. Das beruhigte mich sehr. Denn für ihn waren die letzten Wochen die übelste Quälerei. Er war sehr krank, er war alt, er hatte so wenig Perspektiven auf einen akzeptablen und würdevollen Lebensabend. Der Gedanke, dass er blind, schlecht hörend, verwirrt und am Oberkörper gelähmt in einem Pflegeheim vor sich hin vegetiert in seinem Rollstuhl, hat mich manchmal um den Verstand gebracht. Wie gut, dass er das nicht mehr erleben musste.

Mein Vater und ich waren wie Feuer und Eis. Welche Kämpfe haben wir miteinander ausgefochten, wie oft Streitigkeiten erlebt, stellenweise haben wir uns ignoriert, auch verletzt oder sind uns aus dem Weg gegangen. Wir waren zwei typische „Werner“, beide Dickschädel und beide nicht einfach. Kam es aber hart auf hart, dann standen wir beide oft in einer Reihe. Ich erinnere mich daran, dass er sauer auf mich sein konnte wie er wollte: Stieg mir aber das Wasser bis zum Hals, dann war er fast immer für mich da.

Wie stolz war er als der erste männliche „kleine Werner“ auf die Welt kam: Mein Sohn. Der Kurze und sein Opa waren ein Team. Mein Vater hatte für ihn extra einen Balkon an das Haus gebaut im Jahr 1998, damit der Kurze an der frischen Luft seinen Mittagsschlaf im Kinderwagen halten konnte.

Als ich im Herbst 2017 meinen Job wechselte von Klinik A zu Klinik B, ahnte ich nicht wofür genau das gut sein sollte. Kaum hatte ich dort angefangen, kam mein Vater mit immer neuen Diagnosen zu uns. Das war genau die Zeit in der wir beide uns zusammenrauften. Ohne große Worte.

Für diese letzten 1,5 Jahre mit ihm bin ich so dankbar.

Dankbar bin ich auch für seine Worte an uns drei Töchter gerichtet an einem seiner letzten Tage. Es tat im Hinblick darauf, dass er nicht mehr viel Zeit hat, so gut. Es fühlte sich an wie ein Segen von ihm und macht für mich heute die Trauer und die Gedanken an die Vergangenheit erträglicher. 

Ich habe ihn oft im Stich gelassen wenn er meine Hilfe dringend gebraucht hätte. Was an unserem zerrütteten Verhältnis lag. Auch wenn es zu spät war und ich im Nachhinein an den Situationen damals nichts mehr ändert kann, konnte ich mich dafür noch bei ihm entschuldigen. Ob er meine Worte hörte weiß ich nicht. Aber es tat mir gut sie auszusprechen. Das schlechte Gewissen allerdings bleibt.

Am Tag seiner Beerdigung war so viel los. Die Vögel auf dem Friedhof sangen in einer Lautstärke, dass wir im ersten Moment irritiert waren. Das ging so die ganze Trauerfeier über. Wir dachten es war ein Teil der Hintergrundmusik, welche die Beisetzung untermalte und vielleicht etwas zu laut eingestellt war. Dem war aber nicht so.

Gegen Abend kamen heftige Gewitter auf. Der Himmel bot Wolkenbilder in einer Intensität wie sie lange nicht zu sehen waren. Ich habe ein Foto nach dem nächsten gemacht (Wolkenbilder fotografieren ist eine Art Hobby von mir). Drei der Bilder hatte ich als Wetterbild bei einem Radio-/Fernsehsender eingereicht. Die Geschichte hinter diesen Bildern kannte nur ich. Bislang hatte es keine Aufnahme von mir bis zur Ausstrahlung geschafft welche ich in den letzten Monaten gemacht hatte. Und das waren viele. Sehr viele. Doch ein Wolkenbild von diesem Tag wurde dann ausgewählt und war am Abend kurz in einem regionalen Nachrichtenmagazin zu sehen. Dass es genau dieses Bild war von diesem Tag, lässt mich bis heute verwundert zurück.

In den letzten Tagen fand ich den Gedanke tröstlich zu wissen, dass mein Vater nun bei meiner Mutter ist. Er hat sie sehr vermisst. Diese Tatsache macht die Trauer auch ein Stück weit erträglicher. 

Wie gerne schaue ich mir Bilder von ihm an. Heute mit einem ganz anderen Gefühl wie vor 2 Jahren noch. Bei den alten Fotos denke ich immer wieder:

„Was war er für ein hübscher Mann.“

Auf den alten Fotos mit seinen Enkelkindern kann man seinen Stolz auf sie und seine Liebe zu ihnen fast spüren.

Wie stolz bin ich heute auf ihn, dass er seinen letzten und harten Weg mit so viel Kampfgeist und Durchhaltevermögen gegangen ist.

Wie traurig bin ich allerdings auch, dass er alleine war beim Sterben. Ich saß knapp 100 Meter weiter und habe nicht geahnt was sich an diesem Vormittag bei ihm abspielte. Aber vielleicht wollte er auch alleine sein in diesem Moment. An dieser Tatsache werde ich noch ein wenig zu knabbern haben.

Wir drei Töchter haben total unterschiedliche Erinnerungen an ihn. Ich fand es beinahe spannend als meine ältere Schwester ihn beschrieb und ich nur dachte:

„Von wem spricht sie denn da?“

Bei meinen Erinnerungen an ihn wird es meinen Schwestern nicht anders gehen. 

Auch wenn man noch 1000 wirre und traurige Gedanken im Kopf hat und sich recht langsam an die Tatsache gewöhnt, dass die Eltern nicht mehr da sind, kann ich wieder lachen und vielen Dingen etwas positives abgewinnen. Es muss und wird weitergehen.

Und so endet die Geschichte von einem Vater und seinen drei Töchtern.

Share

Von Doppelnamen, Kinder-Kostümen und Karneval.

(Quelle Bild: Pixabay/annca)

Man könnte meinen, wir wollen/werden in Zukunft die Zeit der Narren und des Karnevals, genauer gesagt die Tage der Fröhlichkeit und Ausgelassenheit in Grund und Boden quatschen bzw. diskutieren.

Kramp-Karrenbauer, Leutheusser-Schnarrenberger und nun auch noch Möller-Hasenbeck

Ich staunte nicht schlecht, als ich eher am Rande den Eklat über Bernd Stelter und seinen Beitrag bei einer Karnevalssitzung in Köln mitbekam. Es ging um weibliche Doppelnamen. Kramp-Karrenbauer und so. Kennste? Kennste!

Kurios, dass wir uns ein paar Tage vorher noch mit ein paar Leuten über die doppelten Nachnamen unterhielten/austauschten. Wenn mir der Doppelname einer Dame nicht einfällt, nenne ich alle „Leutheusser-Schnarrenberger“. Das hat auch keine weitere Bedeutung, das ist nicht abwertend oder aufwertend gemeint, bezieht sich nicht im geringsten auf die Dame persönlich. Dieser Name ist zumindest für mich sehr einprägend. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich habe mir den Ausschnitt angeschaut in dem Bernd Stelter auf der Bühne stand und Frau Möller-Hasenbeck (die verärgerte Zuschauerin) so respektlos war, eben diese Bühne aufzusuchen und sich aufzuregen. Wegen seinem Beitrag zu Doppelnamen. Na, da war die Frau Möller-Hasenbeck volles Brett auf dem richtigen Event. Was für eine Spaßmaus, die Frau Möller-Hasenbeck. Was für eine Spaßmaus.

Während (s)einer Aufzeichnung eumelte sie auf die Bühne. Darüber kann jeder seine Meinung haben. Mir wirft sich die Frage auf was ungezogener war: Der Beitrag von Bernd Stelter über Frau Kramp-Karrenbauer/Doppelnamen oder das Benehmen der Frau Möller-Hasenbeck? My winner is: Frau Möller-Hasenbeck. Yeah!

Fakt ist allerdings: Stelter durfte bleiben, Möller-Hasenbeck musste den Saal verlassen. Finde den Fehler.

Nur schade, dass der WDR die Szene letztendlich raus geschnitten hat und sich so der Dame mit dem Doppelname beugte.

Für kleine Kinder gibt es keine Kultursensibilität

Etwas mehr beunruhigte mich die Meldung, dass eine Kita aus Hamburg in diesem Jahr den Eltern von den Kiddies eine Art „Kostümkodex“ empfahl. Ist nix mehr mit Indianer, Scheich und Co. Man konnte Worte in diesem Zusammenhang lesen wie Stereotype, kultursensibel, diskriminierungsfrei und vorurteilsbewußt im Bezug auf Erziehung. Laut diversen Berichten haben betreffende Eltern diese Bitte auch akzeptiert.

Für uns Erwachsene vielleicht eine Sache mit Sinn und Verstand. Weil wir es checken. Oder auch nicht. Betonung liegt auf „uns Erwachsene“. Aber auch da trifft es nicht die Meinung aller Menschen, denn das Netz diskutiert wie irre. Wir heute Morgen beim Frühstück auch. Man traute sich nicht zu sagen:

„Reiche mir doch den Friesenkeks“,

das ist bestimmt auch schon kultursensibel, was? 😉

Wie will man einem kleinen Jungen erklären, dass er aus Gründen der eventuellen Diskriminierung nicht als Indianer in den Kindergarten gehen kann?

Wie einem kleinen Mädchen, dass vielleicht das Kostüm der Prinzessin eine Klischee darstellt?

Diese Kinder wollen damit nicht negativ urteilen, dafür sind sie zu klein. Die Erwachsenen interpretieren negativ. Und geben das vielleicht auch dem Nachwuchs mit. Da liegt eigentlich eher der Hase im Pfeffer.

Ich wäre als kleines Mädchen nie auf die Idee gekommen, dass mein Zigeunerkostüm negativ behaftet sein könnte. Meine Eltern auch nicht. Ich habe dieses Kostüm geliebt.

Steffi Werner-Brösel sowie Flora und Fauna

Nun stellt euch mal vor ich lerne einen Mann kennen, welcher mit Nachname Brösel heißt. Und ich bastele mir einen Doppelname:

Steffi Werner-Brösel. Brüller, oder? 😉

Nun dürfen wir gespannt sein, was sich in der Karnevalszeit 2020 tut:

Keine Blumen- und Tierkostüme mehr, weil es Flora und Fauna und die Tierwelt verunglimpft?

Kein Kölsch mehr, weil es dem Alkohol eine Bühne bietet?

Kein kostenlosen Kamellen mehr, weil die Kinder sonst den Bezug zum Geld verlieren?

Keine Krapfen mehr, weil man sich über die wahre Herkunft/Bezeichnung in die Köppe kriegt?

Aber was weiß denn ich schon. Helau. ^^

Share