Singlebörsenanekdoten: Singlegruppen bei Facebook und Co.

Ich habe dann doch noch mal den Schritt in diverse Single-Gruppen gewagt, denen man bei Facebook beitreten kann. Die Vielfalt dieser Gruppen ist recht weit gefächert. So gibt es Gruppen für Singles über 40, für alleinerziehende Singles, für tätowierte Singles, für Singles von der See und Singles aus den Bergen, für Singles mit Bart oder solche, die drauf abfahren.

Also Männer mit Bart, Frauen mit Vollbart habe ich dort in der relativ kurzen Zeit nicht gesehen. Die anfängliche Spannung bzw. der immense Unterhaltungswert ließ relativ schnell nach. Besser gesagt schlug diese um eine teilweise schon fast beunruhigende Abgenervtheit meinerseits.

So geht’s: Ich rammel in so eine Gruppe rein, unbedarft wie immer. Teilweise mehrere Tausende User On Air. Nun muss man ja irgendwie auf sich aufmerksam machen. Das geht am besten, wenn man sich durch ein Posting kurz vorstellt, und das vielleicht noch mit einem netten Bild von sich abrundet. Ich, weit über Mitte 40, jetzt nicht so die Sexbombe on earth, mit einem Bild, welches Freunde aufgenommen haben. Einfach nur sitzend auf einer Holzbank.

„Das ist ein grottenschlechter Schnitt“

Ich erntete 4 oder 5 Likes. Die Konversation danach war mehr auf meine Heimat begrenzt, nicht auf mich. Das ist ein grottenschlechter Schnitt, wie ein Zonk. So geht’s aber auch: Es wird sich aufgepimpt im Bad, so Make up- und frisurentechnisch. Dann wird die schärfste Klamotte rausgesucht, am besten mit sautiefem Ausschnitt. Das Selfie wird von oben aufgenommen, damit man aus der Vogelperspektive in den Ausschnitt blicken kann.

Bis hierhin vielleicht gewagt, nur anscheinend keine Seltenheit, wie ich beobachten konnte. Steigerung ist dann anscheinend, wenn man sich dafür auf ein Sofa oder Bett legt, in einer erotischen Pose räkelnd. Ich sah auch Bilder von Frauen, die auf den Knien auf dem Teppich kauerten. Mit Blick wie in einem billigen Porno. Mache ich auch hin und wieder, aber nur wenn ich Flecken in dem selbigen habe und diese rausreiben muss.

Sexy wirken und intelligent rüberkommen

Ein kleiner Teil der Frauen machte auch Selfies von sich im Bett mit der Überschrift, dass sie ja eigentlich noch schlafen. Da fragt man sich: Hat der Hund das Bild gemacht? Oder die Katze? Oder wie oder was? Was auch gerne gemacht wird: Sexy wirkende Bilder mit hochpoetischen Äußerungen von uns allen bekannten Dichtern und Denkern und Poeten versehen. Es war teilweise eine Beleidigung an all diese. Weil kein Bezug zwischen Zitat und Bild zu erkennen war.

Sexy wirken und intelligent rüber kommen war wohl die Botschaft. Gerne verwendete Floskeln um sich in Szene zu setzen sind Postings mit Bild und vielen Fragen: „Was macht ihr gerade?“, „Ich muss in Kürze arbeiten.“, „Wer hat Lust mir zu schreiben?“, „Noch jemand wach?“, „Guten Morgen“, „Wo kommt ihr her?“, „Wie alt seid ihr?“, „Guten Abend“, „Ich koche gerade Erbsensuppe“ etc. In großen Gruppen passiert das beinahe minütlich.

„Viele Frauen nutzen den Snapchat-Filter“

Ich hatte oft den Eindruck, es wurde 20 Mal Guten Morgen gesagt, es wurde 35 Mal gefragt, was alle noch vorhaben und ganz viele Leute fragten in 24 Stunden mehrmals, wo denn nun alle herkommen und wie alt und wie groß und was sie suchen. Nur wenige machten sich die Arbeit und scrollten mal kurz, ob diverse Fragen vielleicht schon gestellt wurden.

Viele Frauen nutzen dort den Snapchat-Filter, also machen einen auf Hund, in dem sie sich Hundeohren auf die Rübe ballern und eine Hundenase in die Visage. Das ist eine Sache, da bekomme ich echt Plaque! Welcher Mann sucht eine Frau, die mit dem verstorbenen Dackel der Ex-Schwiegereltern Ähnlichkeit hat? Oder an den Nachbarhund Rex erinnert? Teilweise waren die Frauen bildhübsch, man konnte es hinter den Hundeohren erahnen. Wuff.

„Ich bin zu alt für den Mist, echt“

Frauen machen auch irrsinnig gerne Bilder mit Kussmund. Oder dieses Duckface-Gedöns. Ich bin zu alt für den Mist, echt. Es geht oft nur darum, aufzufallen, egal wie und egal mit welchen Konsequenzen. Likes und Kommentare sammeln, als wären es Payback-Punkte. Alle heiß machen, alle wild machen, die anderen ausstechen, irgendwie die „Single-Queen das Tages“ sein. Die Ernsthaftigkeit am Interesse einer Beziehung zweifelte ich mehrmals am Tag an. Auch heute noch. In Zukunft nicht weniger.

Ich habe mich zu dieser Zeit über Bilder von nicht makellosen Frauen gefreut, die Bilder von Momentaufnahmen zu ihrer Vorstellung nutzten. Und die aussahen wie Du und ich. Real. Aus dem Leben gegriffen. Frauen scheinen dazu zu neigen, sich zu verniedlichen, sich als das etwas schwächere Geschlecht darzustellen, etwas verletzliches an den Tag zu legen, und den Beschützerinstinkt der Männer wecken zu wollen. Gepaart mit viel Sexappeal und gerne auch mit Äußerungen, wie selbstbewusst sie aber eigentlich sind und wie toll sie alleine klar kommen.

„Eigentlich traurig, wenn man darüber nachdenkt“

Ich habe selten so viele Gegensätze gesehen und gelesen. Und ich habe viele Menschen gesehen, die auf der Suche nach Aufmerksamkeit waren, nach Bestätigung, nach positivem Feedback. Eigentlich traurig, wenn man etwas länger darüber nachdenkt. Bei den Männern es im Kern immer dieselbe Nummer: Bilder von schlafenden Männern, von liegenden Männern, von Kaffee trinkenden Männern, von Männern mit freiem Oberkörper. Im Fitnessstudio, im Badezimmer, im aufgepimpten Auto, vor der Hecke vom Nachbar. Ein nett aussehender Mann vorm Alpenpanorama mit einer Bergziege im Hintergrund ging da teilweise unter im Gegensatz zu Arnold und Co. Auch bei den Männern fast überwiegend Selfies, das Smartphone gerne mit im Bild, teilweise das Gesicht verdeckend.

Auch hier Zitate großer Dichter und Denker über Bildern mit durchtrainierten Körpern und teilweise voll den fetten Silberketten um den Hals. Man hatte stellenweise den Drang, sich bei Heine, Brecht, Fontane und Co. entschuldigen zu wollen. Wenn sich diese Männer mit Snapchat-Filter zeigten, habe ich kurz die Online-Angebote von Aldi, Lidl und Co. durchstöbert, sonst kam ich von dem Trip echt nicht runter. Puuuuuuh. Bei Frauen und auch Männern scheint es „in“ zu sein, Bilder mit ausgestrecktem Mittelfinger zu präsentieren.

„Sorry, aber solche Fragen sind hirnverbrannt“

Fotos mit Sonnenbrillen auf der Nase werden auch gerne genommen. Bei der Partnersuche etwas hinderlich, wie ich finde, da ich die Augen dieser Person nicht wirklich sehen kann. Wobei man sich fragen muss, warum jemand am Abend im Wohnzimmer mit einer Sonnenbrille sitzt. Putzig. Wenn Frauen bemerken, dass eine ganz bestimmte Dame unter ihnen viel Aufmerksamkeit bekommt, werden einige stutenbissig. Wenn Männer bemerken, dass ein ganz bestimmter Herr unter ihnen viel Aufmerksamkeit bekommt, treten einige mal kurz aus wie die Hengste.

Mehrmals am Tag konnte ich Fragen von beiden Geschlechtern lesen, ob es noch Menschen gibt, die es ehrlich meinen, die nicht nur kurze Abenteuer suchen, die nicht lügen und betrügen. Sorry, aber solche Fragen sind hirnverbrannt. Wer gibt sich denn zu erkennen und gibt zu, gerne mal die Leute abzuziehen? Keiner! Also sind Fragen in diese Richtung überflüssig. Und mal ehrlich: Wenn ich lese, dass jemand seit Jahren immer wieder auf die Klappe fällt und veräppelt wird, dann darf ich mir die Frage stellen, ob da jemand mit ganz, ganz viel Naivität durchs Netz geistert.

Facebook-Profile sind aufschlussreicher

Vorteil bei Facebook ist, dass ich mir die Profile der Singles anschauen kann. Das finde ich absolut aufschlussreich. So kann ich beispielsweise sehen, ob jemand viel zockt, oder sich mit den täglichen Ereignissen im Weltgeschehen auseinandersetzt. Ich kann vielleicht auch sehen, ob sie oder er soziale Kontakte hat oder eher ein Einzelgänger ist. Sind die Profile auf, kann ich mir auch Bilder anschauen. Was mir unverständlich bleibt, sind Menschen, die solchen Gruppen beitreten, auf deren Profilen ich aber Null Infos bekomme. Keine Bilder, kein Wohnort, keine Altersangabe. Rein nichts. Das macht das Kennenlernen irrsinnig schwer.

Unterm Strich sei festzustellen, dass das „Ältere Semester“ nicht sonderlich gut abschneidet in Single-Gruppen, in der auch viele recht junge Menschen vertreten sind. Wie oben schon erwähnt, geht man als „Normalo“ mit Pauken und Trompeten unter. Da empfehlen sich Gruppen für die ältere Generation. Was will ich damit sagen? Folgendes will ich damit sagen: Es ist ein wenig wie in einem Supermarkt: Das Angebot auf dem Single-Börsen-Markt und in den Single-Gruppen ist schon beinahe zu groß. Man erwischt sich selbst dabei, dass man neue Bekanntschaften schon dann anzweifelt, wenn jemand auftaucht, der besser passen würde.

Online-Dating ist wie ein Einkauf im Supermarkt

Und klappt es mit dem nicht, stürzen wir in die nächste Gruppe und schauen uns dort um. Gerade im Internet kann man den Leuten nur vor den Kopf schauen. Ob immer alle so witzig, so cool, so abgeklärt oder auch so hübsch sind, wie sie sich darstellen, wird man oft nicht erfahren. Es gibt genug Singles, die sich nicht die Mühe machen, mal hinter die Kulissen zu schauen. Man sieht etwas, das gefällt, und das will man sofort haben, wie im Discounter.

Es gibt die hochwertigen Produkte, vor denen man sabbernd steht und davon träumt, sie zu besitzen. Und es gibt den Grabbeltisch, den man kurz wahrnimmt und weitergeht. So in etwa empfinde ich all dieses. Da sich aber schon viele auf diesem Weg gefunden und verliebt haben, scheint es ja doch zu klappen. Ich zweifel diese These auch nicht an, um Himmels Willen. Es ist nur verdammt schwierig weil das Angebot so groß ist und viele Leute mit sich selber nicht ganz so ehrlich sind.

Das geht bei den bearbeiteten Bildern los und endet in einer nicht so wirklich real dargestellten Persönlichkeit. Viele pimpen in diesen Gruppen ihr verlorengegangenes Ego auf, testen ihren Marktwert. Da haben die, die es wirklich ehrlich meinen, ganz schlechte Karten. Man muss als Single auf diesem Markt kerngesund sein. Es hat auch seinen Unterhaltungswert, das kann man der Sache schwerlich absprechen. Fröhliches flirten, meine Damen und Herren.

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Single(-Börsen)-Anekdoten: Hör mir auf!

Folgendes trug sich nicht durch ein Kennenlernen in einer Single-Börse zu, sondern durch eine Begegnung real. Passiert ja auch so hin und wieder. Wenn auch selten, aber so ab und an. Quasi.

Tatort war eine Veranstaltung in der Nähe. Ich war mit Freunden unterwegs. Und irgendwie waren total viele Menschen dort die ich lange nicht gesehen und gesprochen hatte. Stundenlange Gespräche, Bier, ganz viel Lachen, supergute Musik, zuletzt auch abhotten auf der Tanzfläche. Ein durchaus gelungener Abend bis spät in die Nacht und mit einem abgenervten Taxifahrer, der die Schnauze voll hatte von uns 3 Fahrgästen. Ich musste 20 Minuten meinen Haustürschlüssel in meiner Handtasche suchen, ich dachte der erschlägt mich gleich.

Kommunikativ bin ich eh, also ich quatsche auch durchaus fremde Leute an. Wie auch an besagtem Abend. Das Gesicht kannte ich, aber ansonsten noch nie ein Wort mit gewechselt. Wir haben bis früh in den Morgen abgefeiert, und irgendwie bekam der Herr meine Handy-Nummer heraus. Also wildes tippen bei whatsapp, ab und an wildes telefonieren am Haustelefon.

Wer mich kennt der weiß, dass ich keine Frau bin die Wert auf Luxus legt. Die man nicht beeindrucken kann mit „mein Haus – mein Pferd – mein Auto“. Das sind Dinge, die mir relativ wumpe sind. Genauer gesagt hatte ich immer Abstand zu Männern gehalten bei denen ich merkte, dass sie einen gewissen Level an Exklusivität ihr eigen nennen. Es ist nicht meine Welt. Ich würde mich minderwertig fühlen.

Besagter Herr war halt einer von denen, zumindest habe ich ihn so wahrgenommen. Immer wieder versuchte er in Gesprächen oder Nachrichten zu unterstreichen, was er hat und was noch so angeschafft wird. Berichte über Parties im Garten mit Champagner, über Wochenendtrips an die Cote d`Azur, das neue Auto, den käuflichen Erwerb einer Wohnung etc. Trotz meiner Einwände, dass ich keinen Wert darauf lege, es mir nicht leisten könnte und ich den Eindruck habe, wir surfen auf komplett verschiedenen Wellen, kam ein:

Ach Quatsch, wir sind uns doch recht ähnlich.“

Dann kam die Frage der Fragen. Ich schwöre, dass mir noch nie ein Mann eine solche Frage stellte. In 47 Jahren nicht.

Die Frage war: „Was hast Du für einen Fernseher?“

Bitte was?

Also: Ich habe einen grauen Fernseher mit buntem Bild und Fernbedienung. Der hängt auch nicht an der Wand, sondern steht auf einem knapp 25 Jahre alten Kieferschrank. Dieser Kieferschrank wird mit Tesafilm zusammen gehalten, da sonst immer die eine Klappe runter fällt.

Es folgte dann auch die Frage nach meinem Auto.

Was soll ich sagen? Total alt, hat schon elektrische Fensterheber, aber nur ein Radio mit Kassettendeck. Keinen CD-Wechsler. Ach so, Klimaanlage hat mein Auto auch. Es ist kein schönes Auto, es bringt uns aber von A nach B. Alles andere interessiert mich nicht.

In dieser Zeit merkte ich, dass ich mich schämte. Dafür, dass wir so leben wie wir leben. Allerdings nur für kurze Zeit.

Weil mir dann bewusst wurde, dass alles okay ist so wie es ist. Wir haben ein Dach über dem Kopf, sind gesund, ich habe einen Job, der Kurze bald eine Lehrstelle. Wir lachen viel und habe tolle Freunde. Das macht für mich das Leben aus. Das macht mich zufrieden. Sicherlich hätte ich nichts gegen einen Lottogewinn oder gegen eine Erbschaft. Es geht aber auch so.

Ich kann mir nicht vorstellen mit jemanden Kontakt zu halten oder es zu vertiefen, der mir Tag und Nacht erzählt wie toll er ist und dass er nur tolle Sachen macht, sich tolle Sachen leisten kann und dass alle ihn toll finden. Langweilig.

Ich möchte auch nicht in einem Zweiteiler von Armani durch Feinkost-Käfer marschieren und Hummerschwänze oder das Gedöns kaufen, weil es die Etikette hergibt. Nein. Ich werde sicherlich bis an mein Lebensende in meiner No name-Jeans in den Discounter stürzen und reduzierte Wurst und reduziertes Gemüse kaufen, wenn es denn reduziert ist.

Ich fand erschreckend, dass dieser Mann nicht merkte, dass es unhöflich ist und auch durchaus nicht zum guten Ton gehörte so auf die Kacke zu hauen. Ich hatte ihn nämlich darauf hingewiesen. Mehrmals. Es kam aber nicht an.

Die Frage nach dem Fernseher ist mir noch heute schleierhaft.

Ich gönne jedem seinen Erfolg, sein finanzielles Auskommen, seinen Luxus. Das haben sich die Menschen sicherlich hart erarbeitet.

Aber ich brauche so jemanden nicht in meinem Leben. Weil es stresst. Bzw. gibt es sicherlich Menschen die viel haben, dieses aber nicht thematisieren. Bestimmt findet ein solcher Mann seine Frau. Eine Frau die Wert legt auf Champagner und ein Wochenende am Mittelmeer. Dann sei es ihnen gegönnt. Wobei es bestimmt auch Menschen gibt die viel haben, aber „normal“ geblieben sind.

Ich bin zufrieden mit einer Dose Bier und einem Pott voll Linsensuppe. Und es wird sicherlich auch irgendwo einen Mann geben, der das ähnlich sieht. Dann verlieben wir uns vielleicht bei Dosenbier und Linsensuppe und schauen gemeinsam auf den grauen Fernseher mit dem bunten Bild, der auf dem Kieferschrank steht. Und von Tesafilm zusammen gehalten wird, weil sonst immer die Klappe runter fällt. Man weiß es nicht.

So soll es sein, so soll es bleiben … *träller*

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Single(börsen)-Anekdoten: Ruf-mich-an!

Ich wurde vor ein paar Wochen von einer älteren Person gefragt, ob ich ihr/ihm helfen könne nochmals auf Brautschau zu gehen.

Mein Ruf als Single-Börsen-Nutzerin ohne Diplom muss sich rum gesprochen haben.

Ich wollte aber nicht die Variante der Zeitungsannonce nutzen, fand ich in der Vergangenheit nicht so effektiv.  Internet kam auch nicht in Frage, es handelt sich um eine Person die da auch weniger Erfahrung hat im Dschungel von all den Börsen.

Als ich vor ein paar Wochen gedankenverloren nach Feierabend vor meinem Radio saß (dessen Sender ich verstellt hatte weil ich mal wieder den Lautstärkeregler nicht gleich fand, ich schraub dann immer so lange am Rad bis nichts mehr geht), lief gerade die Sendung „Flirteinander“ beim MDR Sachsen-Anhalt. Da rufen Damen und Herren an wenn sie auf der Suche nach der „besseren Hälfte“ sind. Ein Plausch mit der Moderatorin live im Radio folgt um sich vorzustellen und zu erklären, was man denn so sucht. Interessenten können sich dann im Studio melden im Anschluss.

Das Alter an diesem Abend war relativ gemischt. Als die Nummer durchgegeben wurde, schwang ich mich ans Telefon und rief dort an. Der freundliche Mitarbeiter willigte ein dass ich quasi im Auftrag suchen kann, und dass es auch kein Problem ist wenn wir aus Niedersachsen kommen. Radio verbindet über die Landesgrenzen hinweg.

Den Abend konnte man mich nicht mehr unterbringen, 3 Wochen später war es dann so weit. Die nette Moderatorin, Sabine Küster, rief mich auf dem Handy an und wir besprachen das wichtigste. Was sucht diese Person? Was geht? Was geht gar nicht? Alter, Hobbies und all das Gedöns.

Die Liveschaltung ins Studio kam und wir begannen zu quatschen. Ich habe mich mächtig ins Zeug gelegt diese ältere Person zu bewerben. Wir waren fast fertig, da schwenkt die Moderatorin plötzlich um und fragt nach mir. Als ich dann zugab dass auch ich Single bin, fixierte sie sich auf mich. Ich sollte mich beschreiben, auf was für einen Typ Mann ich stehe. usw. Ich war etwas überrumpelt und sagte, dass mir nur ein jeansjackentragender Mann in die Bude kommt, der sich auf einer Dorfkirmes nicht zu fein wäre um ein Dosenbier zu trinken. Der grobe Typ sozusagen. Irgendwie so in der Art. Ich war ja etwas aufgeregt, weil das so nicht geplant war.

Das Gespräch (live) war durch und die Sabine Küster erklärte mir, dass sie sich am nächsten Tag per SMS bei mir meldet, falls jemand an der älteren Person oder an mir interessiert ist. Ich sage ihr noch:

„Wenn für mich ein Typ anruft und für ihn keine Dame, gibt es hier sicherlich Diskussionen!“

Am nächsten Tag bimmelt mein Handy, es war eine SMS von Sabine Küster. Es hat sich ein Mann gemeldet welcher meinen Aufruf hörte. Dieser möchte aber nicht die ältere Person kennenlernen, sondern mich. Leider ging die ältere Person leer aus. Es gab zwar ein kurzes Telefonat zwischen ihm und einer Teilnehmerin aus der vorherigen Sendung, das funzte aber bei den beiden nicht wirklich am Sprachrohr.

Also gab ich meine erhaltene Nummer bei whatsapp ein und meldete mich kurz bei dem guten Mann. Etwas Hin- und Hergeschreibsel, später dann ein Telefonat weil Sympathie vorhanden war.

Da aber die Entfernung nicht unbeachtlich ist, und ich am selben Abend kurioserweise jemanden real kennenlernte (hör mir auf!), verfolgten wir das nicht so intensiv weiter. Wir haben noch Kontakt, schreiben uns unregelmäßig bei whatsapp.

Es ist nicht zu verachten, wenn man auf diesem Weg Menschen kennenlernt die vielleicht nicht die große Liebe versprechen, die aber in Ordnung sind. Und mit denen ich mich ab und zu austauschen kann. Solche Begegnungen hatte ich auch in Single-Börsen des öfteren. Wie viele Kumpels habe ich auf diesem Weg schon kennengelernt, auch das ist nicht weniger wertvoll. Den Bekannten-/Freundeskreis zu erweitern ist eine tolle Sache.

Ein Beispiel dafür, dass das Leben manchmal kuriose Wege geht.

Und das wir alle mehr Radio hören sollten.

Gruß ins Studio des MDR Sachsen-Anhalt und an die Crew von „Flirteinander“. ^^

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Profilbilder in Singlebörsen: Top oder Flopp

(Quelle Bild: Privat)

Ich habe mir vor langer Zeit mal die Mühe gemacht, mich durch die Fotos diverser Herren in Singlebörsen/-Apps zu klicken. Es war ja nicht immer mühevoll, ich musste schon grinsen und manchmal lächeln. Einmal hab‘ ich mich schlappgelacht.

Mit Profilbildern machen wir auf uns aufmerksam, das erste Bild ist meistens die Eintrittskarte oder der Zonk. Folgende Feststellungen/Gruppierungen obliegen meiner Meinung. Ich bin alt, ich darf das:

  1. Da gibt es zum einen die “Selfie-Fraktion”: Die Selfie-Fraktion hat viele Bilder im Profil. Aber man sieht, dass sich da jemand selber aufgenommen hat. Ich bin da jetzt nicht so der Freund von. Ich denke immer, dass Menschen, die nur Selfies von sich machen, wenig soziale Kontakte haben. Man geht doch mit seinen Leuten mal weg, feiern oder so. Und da wird ja heutzutage auch geknipst mit den Smartphones, dass die Schwarte kracht.
  2. Dann gibt es die “Bearbeitungsfraktion”: Das sind die, die ihre Bilder mit Hintergründen oder Umrissen versehen, also Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge und Herzen und Bärchen und was weiß ich für einen Kram. Das ist so gar nicht meins, ich mag es natürlich ohne so ein Gedöns. Das Augenmerk soll auf dem Menschen liegen, nicht auf diesem schwerwirkenden Drumherum.
  3. Auch im Programm: die “Vor-dem-Spiegel-Bildermacher”: Ah, da krieg‘ ich Plaque. Zum einen sieht man das Smartphone mit Blitzlicht im Bild, dann sieht man nicht selten einen Spiegel der lange keinen Glasreiniger gesehen hat. Und die Krönung finde ich immer total unaufgeräumte Hintergründe. Oder ganz schlimm: Geöffnete Toilettendeckel oder vollgeprümmelte Wäschekörbe, bei denen die Schlüpper links und rechts rausquellen.
  4. Oder: die “Ich-mach-Dich-heiß-Fraktion”: Das sind die Frauen und Männer, die sich leicht bekleidet mit Kussmund und angespanntem Oberarm und/oder hochgeprümmelten „Hupen“ fotografieren oder fotografieren lassen.
  5. Oder die “Ohne-mein-Haustier-geht-gar-nichts-Fraktion”: 16 Bilder, davon 2 vom Single selber, 7x die Katze, 5x der Hund und 2x die Pferde. Die von Katze, Hund und Pferd total scharf, die vom Single dunkel und verschwommen.
  6. Auch nett: Die “Ich-nehm-die-Bilder-von-2002-Fraktion”: Ja, ich fand mich mit 32 Jahren auch irgendwie frischer und faltenfreier und so. Das ist aber 14 Jahre her. Ich muss die Männer doch daten, falls auch sie wollen. Die sehen doch dann, dass meine Haut nicht mehr so glatt und der Po nicht mehr so knackig ist und kleine Altersflecken auf dem Handrücken sind.

Letzte Woche sah ich das Knallerbild, da musste ich echt lachen: Gemusterte Tapete, ein gemaltes Bild einer Hütte in den Bergen im Eichenrahmen hinter ihm an der Wand, und der Single mit Schnauzbart und freiem Oberkörper auf dem Sofa sitzend. Mit einem Gesichtsausdruck, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Da dachte ich so:” Nee Steffi, das ist er nicht. Du hättest Angst, dass Dir der Eichenrahmen auf die Rübe fällt, wenn Du da drunter sitzt. Wenn er Dir ein Stück Zuckerkuchen anbietet mit freiem Oberkörper und Schnauzbart und Blick wie bewusstlos, machst Du Dir in die Hose vor Angst und rennst raus.“

Ein gutes Bild ist gar nicht so schwer

Ich schaue gerne Bilder an, bei denen man sehen kann, dass jemand bei seinem Hobby, mit seinen Freunden fotografiert wurde. Und ich mag Bilder, bei denen mich jemand anlächelt. Und sich nicht mit der Zunge über die Lippen leckt und in die Kamera schaut wie in einem billigen Porno. Das Profilbild ist halt manchmal die Eintrittskarte. Oder halt der Zonk. Das hat jeder für sich selber in der Hand.

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Das Date mit dem Mann mit dem Hund!

Wer mich schon länger liest, weiß um meine Hundephobie.

Wenn man jemanden kennenlernt, ist nicht immer sofort ersichtlich ob sie/er eine Katze hat oder einen Hund, ein Lama, einen Strauß oder einen Vogel.

Okay, okay, das mit dem Vogel war jetzt zweideutig und erschließt sich manchmal recht schnell 😉

Ich habe bei besagtem Mann erst später herausbekommen, dass er einen Hund hat. Eine Hündin. Golden Retriever.

Und die beiden sind dicke wie sonst was. „Da musste durch, Steffi, hilft alles nix.“

Das erste Treffen war angesagt, er erwähnte noch, dass er seine Hündin mit bringt. Von da an war ich aufgeregter als mir lieb war. Ich hatte mehr Angst vor der Begegnung mit dem Hund wie vor der Begegnung mit dem Mann.

Auf mein „machst Du ihn dann an die Leine?“ kam ein „ja klar“.

Als ich den Treffpunkt erreichte, ihn anrufen musste weil ich nicht wusste wo er genau war, lautete meine erste Frage: „Ist der Hund an der Leine?“

Das wurde mir auch zugesagt.

Und ich gehe auf ihn zu und habe den Hund im Auge, nicht den Kerl.

Was dann folgte, erklärt sich von selbst: Dieser liebe Hund nahm mich wahr und wollte mich kennenlernen. Und kam schwanzwedelnd auf mich zu. Auf mich, die sonst nicht mal 10 m an einen Hund herangeht.

Der Mann wollte das auch, nicht unbedingt schwanzwedelnd, aber der Schwerpunkt lag auf dem Hund. Sorry.

Ich nahm Platz, wir saßen draußen vor einem Lokal, und ich war überfordert von Mann und Hund und der Umgebung, paffte munter drauf los um mich zu sortieren.

Dieser Hund war klasse. Keine Szene, kein anspringen, kein Gebell oder Gezicke. Sie lag auf einer Decke, war müde, und ich war ihr wumpe weil ich nicht reagierte. Alle Leute die an uns vorbeigingen, tätschelten sie. Nur ich halt nicht. Ab und zu kam sie zu mir, stupste mich und zog enttäuscht wieder ab weil ich mich nicht regte. Wie denn auch, ich war froh, dass ich da sitzen konnte ohne hysterische Anfälle.

Jetzt musste mein Datingpartner pullern, und drückte mir von jetzt auf gleich die Hundeleine in die Hand: Der verschwand echt auf dem Pott und ich saß da mit dem Hund der Leine.

  • Was mache ich, wenn die Hündin gleich abdreht?
  • Wenn ein anderer Hund kommt?
  • Wenn sie pullern muss?
  • Mich in die Wade zwickt, weil sie mich kacke findet?

Ach Du Scheiße, ich wusste nicht wohin mit mir.

Vor lauter Aufregung hatte ich an der Leine herum gespielt, und alles verstellt. Die Leine wurde immer kürzer, ich dachte ich straguliere die Hündin und mein Datingpartner stranguliert später mich.

Ich saß nach vorne gebeugt bretthart auf meinem Stuhl, die Hündin im Blick, den Parkplatz im Blick, die Leute im Blick, die Leine im Blick. Und er war pullern, einfach mal so nebenbei pullern. 

Es ging alles gut. Die Hündin schaute manchmal merkwürdig. Als wollte sie sagen: „Was labern die Zweibeiner für wirres Kram? Was ist das für eine verhaltensgestörte, paffende Frau?“

Dem Hund wurde kalt, mir wurde kalt, ihm wurde kalt.

Hund ins Auto, ich ins Auto, er ins Auto.

Resultat: Ich habe einen Hund an der Leine gehalten, ganz alleine.

Er musste beim pullern alleine halten, ganz alleine.

Ich fuhr nach Hause im meinen Toyota, ganz alleine.

Ich darf nicht daran denken, dass ich vielleicht mal einen Mann kennenlerne der ein Lama als Haustier hat: Die rotzen immer so fies. ^^

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Franz hat kein Internet.

Ich habe einen Kumpel, ich nenne ihn jetzt Wilfried (Name geändert). Wilfried hat auch einen Kumpel, den nenne ich jetzt Franz (Name auch geändert). Und dann gibt es noch Nr. 3, ein Kumpel von Wilfried und Franz, den nenne ich Georg (mit dem Name ist klar, nä?)
Wilfried und Georg haben Singlebörsenerfahrung, sind beide Besitzer von Smartphones und Rechnern/Laptops.
Franz hingegen hat ein Klapphandy mit riesengroßen Tasten, und kein Internet.
Franz will aber unbedingt online eine Frau kennenlernen. Wilfried und Georg haben ihm monatelang erklärt, dass das ohne Internet nicht geht. Franz versteht das aber nicht. Franz versteht generell wenig von der Materie.
Wenn Wilfried oder Georg online waren, hat Franz den beiden über die Schulter geschaut und seine Kumpels gebeten, diverse Frauen in seinem Name anzuschreiben. Wenn beide erklärten dass das Unsinn ist, da die Frauen ja dann meinen die beiden sind scharf auf sie, antwortete Franz:
„Sag denen doch, dass ich neben Dir sitze.“
Wilfried sagt dann immer: „Das glaube ich jetzt nicht“, Georg schüttelt sprachlos mit dem Kopf.
Franz wohnt in einer Ecke des Landes, wo kein Anbieter ein stabiles Internet anbieten kann. Auf seinem Flur muss es eine 1 qm große Ecke geben, auf der es halbwegs funzt mit eigener Datenverbindung,
Jetzt hat Franz ein Smartphone. Eine Freundin von ihm, ich nenne sie mal Sybille, hat ihm in einer Singlebörse einen Account eingerichtet. Nachdem sie Franz auch ein email-Postfach eingerichtet hat. Sybille ist eine gute Sybille. Wenn Franz ins Internet möchte, geht er zu Sybille oder Wilfried. Er hat ja nirgends Empfang. Außer auf dem Flur auf 1 qm.
Letztens war er bei Wilfried. Wilfried wollte in die Dusche und stand im Schlüppa vor dem PC. Franz wusste seinen Nickname aber nicht, bzw. wie er geschrieben wird. Ohne Nickname kein Eintreten in die Singlebörse. Nach zig Versuchen, Wilfried war schon ausgekühlt, ging dieser dann total durchgefroren unter die Dusche. Als er wiederkam, war Franz noch immer nicht online, weil er nicht wusste ob sein Nickname mit großem oder kleinem Buchstabe anfing, ob in der Mitte ein „ck“ kommt oder nur ein „k“ oder gar ein „kk“. Selbst ich wusste, dass hinter seinem Nick noch 4 Zahlen kommen. Franz weiß das aber nicht mehr.
Franz fragte Wilfried letztens: „Was machste am Wochenende?“
Wilfried sagt: „Ich fahre zu Steffi.“
Fragt Franz: „Kann ich mitkommen?“
Sagt Wilfried: „Und was ist, wenn ich Steffi küssen will und so?“
Sagt Franz: „Dann gucke ich zu.“
Georg saß daneben und sagte nur: „Das glaube ich jetzt nicht.“
Franz schreibt auch keine Frauen an, das macht für ihn Sybille.
Franz findet, dass auf seinem Profil immer „komische“ Frauen sind.
Tja Franz, komisch bist Du ja auch, und das nicht wenig.
Ich bin echt gespannt, wann und mit wem Franz sein erstes Date hat. Ich wäre total gerne Mäuschen.
Lieber Franz, Wilfried und Georg: Ich könnte mich ausschütten vor Lachen, wenn ich Eure Stories höre. Ich möchte Euch nur 1x alle zusammen erleben. Ich denke, ich sitze klatschend wie ein Robbe auf dem Sofa und gebe Töne von mir, die noch nie ein Mensch zuvor von mir gehört hat.
P. S. An Franz: Ich habe heute einen Screenshot von Deinem Profil gemacht, damit Du Deinen Nickname kennst. Das Foto schicke ich Wilfried, da ist es besser aufgehoben glaube ich. ^^
(Die drei Männer gibt es echt, und die Story ist real. Wer Franz kennenlernen möchte, darf sich vertrauensvoll an mich wenden).

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Das Date mit der Bockwurst.

Nee Leute, weder war sein Nickname “Bockwurst”, noch spreche ich von seinem … . Egal jetzt. Zur Wurst kommen wir zum Schluss.
An “Tintenkiller Schorse” erinnert ihr Euch sicherlich noch. Der Herr über die grüne, dauerleuchtende Onlinelampe. Und mit dem hatte ich eines des witzigsten Dates, welches jemals in meiner Singlekarriere so stattgefunden hat.
Ort des Geschehens war ein Autohof. Hier in der Gegend recht bekannt. Wer mich gut kennt und um meine Defizite beim Autofahren weiß, der wird sich jetzt fragen wie ich
a) dahin gekommen bin und
b) wie lange ich brauchte.
Es ging halt so, nech?
Ein viel größeres Problem war mein eingeschränktes Hörvermögen. Ich weiß nicht ob ich den Tag oder den Tag vorher in der HNO-Klinik war. Und da hatte man mir diverse Salben, Medikamente und Plomben ins linke Ohr geprümmelt. Ich hatte mehr Material im linken Gehörgang als ihr in Euren Handtaschen, das glaubt mal.
Nach der ersten Aufregung als man sich gegenüberstand so live, also er und ich, betraten wir das Lokal. Wir sind total entspannt miteinander umgegangen, diese Lockerheit vom telefonieren setzte sich auch dort fort.
Wir saßen im Raucherbereich. Da ich bei Dates auch paffe wie eine alte Diesellok, war das schon gut so. Um uns herum waren schon Tische besetzt bzw. füllte es sich noch. Neben uns saßen eine junge Frau und ein junger Mann. Und Tintenkiller Schorse sagt: “Guck mal, der sieht aus wie Paul Potts.”
Und echt, der sah ihm verdammt ähnlich.
Meine meistgesprochenen Worte waren:
“Was?”
“Wie bitte?”
“Kannste nochmal sagen?”
“Sorry, ich hab Dich nicht verstanden.”
Da fing er an, extra laut mit mir zu reden. Der ganze Laden drehte sich nach uns um. Ich fands aber witzig.
Da waren 2 Kellnerinnen die sich derart ähnlich sahen, dass ich schon dachte wir sind bei der versteckten Kamera, und ich sehe mich in 14 Tagen mit Tintenkiller-Schorse in der Flimmerkiste, vor 5,8 Millionen Zuschauern.
Dann hatte er die beste Idee überhaupt:
“Wir essen noch eine Bockwurst drüben an der Tanke.”
Die soll total lecker sein, sagte er. Da ich auf rustikales Essen stehe, und die Idee total witzig fand, kehrten wir dort ein. Und nicht nur wir, auch unzählige Brummifahrer und Truckerinnen. Ich konnte mich nicht satt sehen an dieser Atmosphäre. Da ich keinen Senf mehr hatte aber noch soviel Wurst, klaute ich diesen von der Pappe meines Datingpartners. Damit gleich klar war, dass ich mehr Senf bräuchte, sollte er mir privat mal eine Bockwurst servieren.
Als wir dann Richtung Autos gingen und noch kurz quatschten, konnten wir sehen, dass Paul Potts wohl auch ein Date hatte: Die beiden nahmen sich auf dem Parkplatz kurz in den Arm und stiegen in verschiedene Autos. Wahrscheinlich ist dieser Autohof eine gute Wahl für erste Dates. Wahrscheinlich waren wir alle irgendwie verkappte Dates dort. Außer der Hund am Tisch hinten rechts.
Und so gings wieder nach Hause. Ich wäre fast in Kreisel Nr. 2 falsch abgebogen und hinter Tintenkiller Schorse hergeballert. Hätte der bestimmt gedacht ich bin so ne ganz scharfe Tusse die gleich alles will, hier und jetzt, lang und dreckig, so eine Kochwurstnummer quasi.
Ich bin jedenfalls zu Hause angekommen und meine Gedanken waren: Der Typ, der auch mit mir in der Tanke ne Bockwurst wegschlabbert und dabei Spaß hat, das ist der!
Die Wurst war lecker und auch heiß. Nur Schorse war wohl nicht mein Preis. ^^

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Heute der “Ich schau nur Deine Bilder an und bin deshalb online-Typ.”

Folgendes Szenario: Ich kam mit einem Mann ins Gespräch in einer Singlebörse. Besser gesagt schrieben wir uns. Telefonate folgten recht schnell. Wir beide sprachen dieselbe Sprache, hatten uns echt viel zu erzählen, lachten zusammen etc. Wir telefonierten mehrmals am Tag und schrieben bei whatsapp wie die Irren. Was den Level der Beklopptheit anging, waren wir auf derselben Stufe. Da wir beide wirklich einen so engen Kontakt aufgebaut hatten, war ich in besagter Singlebörse garnicht mehr aktiv. Warum auch? Es gab ja jemanden, der mich sehr interessierte. Er sah das wohl anders. Ich konnte beobachten, dass er trotzdem noch online ging. Mich hatte das schon ziemlich verletzt. Aber gut, ich bin da auch extrem geworden nach diversen Griffen in die Kloschüssel, die genau so begannen. Als ich mich dann verbal entlud über seine Onlineaktivitäten, war seine Antwort:
“Ich bin nur online, um mir Deine Bilder anzuschauen.”
“Mein Kumpel ist gerade hier, ich zeige ihm nur wie das funktioniert, weil er sich hier auch anmelden will.”
Ich rechnete noch mit Begründungen wie:
“Bin mit dem Ellenbogen aufs Smartphone gekommen und hab mich versehentlich eingeloggt.”
“Die Börse macht das eigenständig, ich war das nicht.”
Hatte ich auch schon solche Ausreden. Tztztz.
Grundgütiger, was nen Schwachsinn im nachhinein.
Da mich dieser Mann aber so faszinierte, und ich nicht wieder alles gleich hinschmeissen wollte wegen meinem “Miss Marple-Syndrom”, kam es auch zu 2 Treffen.
Wir verstanden uns bombig und er sagte mir, dass er sein Profil jetzt langsam löschen wird, weil er sehr an mir interessiert ist. Mein Profil hatte ich schon ausgedünnt, alle Bilder und die Texte gelöscht. Weils fair ist, auch denen gegenüber, die Interesse zeigen. Irgendwie bin ich eine verkappte Mutter Theresa im Singlebörsenbereich, eine stellenweise sehr naive nach dazu.
Tja, er brauchte Tage fürs löschen. Besser gesagt löschte er garnichts. Oder er versucht es noch immer mit einem Tintenkiller am Bildschirm, man weiß es nicht.
Und er war nach wie vor mehrmals täglich online, stellenweise 1 Stunde am Stück. Na gut, vielleicht wollte er sich wieder meine Bilder anschauen und fand sie nicht. Soll ja vorkommen. Weil er schreibt dort mit keiner anderen, niiiiiiiiiiiiemals.
So, und dann ging ICH nach Tagen mal wieder in diese Börse. Wollen wir doch mal schauen was dann passiert.
Es dauerte nur Minuten, da bekam ich eine total verzweifelte whatsapp-Nachricht. Wie verletzt und am Boden zerstört er sei zu sehen, dass ich online bin.
“Mensch Hase, sorry. Ich mache nur das, was Du seit Tagen abziehst.”
Eine whatsapp-Nachricht eines abends seinerseits, es wird spät bis er Feierabend hat. Es klang ein wenig nach “wir können heute nicht mehr telefonieren, ich hab keinen Bock auf Dich jetzt.”
Ich hab nen Riecher für sowas, man glaubt es nicht. Jetzt ratet mal, was ich dann sah?
Genau, online war er. Okay, vielleicht suchte er noch immer nach meinen gelöschten Bildern, vielleicht konnte er ohne diese nicht einschlafen. Vielleicht suchte er meine Bilder auf den Profilen anderer Frauen, kann ja sein dass da technisch was nicht funktionierte und sich diese verschoben hatten auf das Profil von “heiße Hexe 68” oder auf das von “SM-Gisela”.
Ich sah mir das Schauspiel noch etwas an, und überbrachte dann den “Korb Deluxe”.
Also habe ich mein Profil wieder aktiviert. Und dann passierte folgendes:
2 Nachrichten innerhalb von Minuten von ihm:
19.11 Uhr: “Hallo Steffi…hey und neues foto…cool”
19.26 Uhr: “und steffi noch immer nicht der richtigen online????”
Was macht man da? Ich blockiere in einem solchen Fall, weils mir derbe auf die Nüsse ging. Tja, dann gings bei whatsapp weiter.
Merkwürdig, dass sich einige Dinge rausnehmen, die sie wiederum anderen verübeln. Vielleicht sind heiße Hexe 68 oder SM-Gisela da etwas lockerer unterwegs. Ich wünsche es ihm jedenfalls von Herzen, dem kleinen Schnullipopps.
Sein Profil ist übrigens noch dasselbe wie vor 14 Tagen. Blöder Tintenkiller sag ich nur, blöder Tintenkiller. ^^

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