Singlebörsenanekdoten: Singlegruppen bei Facebook und Co.

Ich habe dann doch noch mal den Schritt in diverse Single-Gruppen gewagt, denen man bei Facebook beitreten kann. Die Vielfalt dieser Gruppen ist recht weit gefächert. So gibt es Gruppen für Singles über 40, für alleinerziehende Singles, für tätowierte Singles, für Singles von der See und Singles aus den Bergen, für Singles mit Bart oder solche, die drauf abfahren.

Also Männer mit Bart, Frauen mit Vollbart habe ich dort in der relativ kurzen Zeit nicht gesehen. Die anfängliche Spannung bzw. der immense Unterhaltungswert ließ relativ schnell nach. Besser gesagt schlug diese um eine teilweise schon fast beunruhigende Abgenervtheit meinerseits.

So geht’s: Ich rammel in so eine Gruppe rein, unbedarft wie immer. Teilweise mehrere Tausende User On Air. Nun muss man ja irgendwie auf sich aufmerksam machen. Das geht am besten, wenn man sich durch ein Posting kurz vorstellt, und das vielleicht noch mit einem netten Bild von sich abrundet. Ich, weit über Mitte 40, jetzt nicht so die Sexbombe on earth, mit einem Bild, welches Freunde aufgenommen haben. Einfach nur sitzend auf einer Holzbank.

„Das ist ein grottenschlechter Schnitt“

Ich erntete 4 oder 5 Likes. Die Konversation danach war mehr auf meine Heimat begrenzt, nicht auf mich. Das ist ein grottenschlechter Schnitt, wie ein Zonk. So geht’s aber auch: Es wird sich aufgepimpt im Bad, so Make up- und frisurentechnisch. Dann wird die schärfste Klamotte rausgesucht, am besten mit sautiefem Ausschnitt. Das Selfie wird von oben aufgenommen, damit man aus der Vogelperspektive in den Ausschnitt blicken kann.

Bis hierhin vielleicht gewagt, nur anscheinend keine Seltenheit, wie ich beobachten konnte. Steigerung ist dann anscheinend, wenn man sich dafür auf ein Sofa oder Bett legt, in einer erotischen Pose räkelnd. Ich sah auch Bilder von Frauen, die auf den Knien auf dem Teppich kauerten. Mit Blick wie in einem billigen Porno. Mache ich auch hin und wieder, aber nur wenn ich Flecken in dem selbigen habe und diese rausreiben muss.

Sexy wirken und intelligent rüberkommen

Ein kleiner Teil der Frauen machte auch Selfies von sich im Bett mit der Überschrift, dass sie ja eigentlich noch schlafen. Da fragt man sich: Hat der Hund das Bild gemacht? Oder die Katze? Oder wie oder was? Was auch gerne gemacht wird: Sexy wirkende Bilder mit hochpoetischen Äußerungen von uns allen bekannten Dichtern und Denkern und Poeten versehen. Es war teilweise eine Beleidigung an all diese. Weil kein Bezug zwischen Zitat und Bild zu erkennen war.

Sexy wirken und intelligent rüber kommen war wohl die Botschaft. Gerne verwendete Floskeln um sich in Szene zu setzen sind Postings mit Bild und vielen Fragen: „Was macht ihr gerade?“, „Ich muss in Kürze arbeiten.“, „Wer hat Lust mir zu schreiben?“, „Noch jemand wach?“, „Guten Morgen“, „Wo kommt ihr her?“, „Wie alt seid ihr?“, „Guten Abend“, „Ich koche gerade Erbsensuppe“ etc. In großen Gruppen passiert das beinahe minütlich.

„Viele Frauen nutzen den Snapchat-Filter“

Ich hatte oft den Eindruck, es wurde 20 Mal Guten Morgen gesagt, es wurde 35 Mal gefragt, was alle noch vorhaben und ganz viele Leute fragten in 24 Stunden mehrmals, wo denn nun alle herkommen und wie alt und wie groß und was sie suchen. Nur wenige machten sich die Arbeit und scrollten mal kurz, ob diverse Fragen vielleicht schon gestellt wurden.

Viele Frauen nutzen dort den Snapchat-Filter, also machen einen auf Hund, in dem sie sich Hundeohren auf die Rübe ballern und eine Hundenase in die Visage. Das ist eine Sache, da bekomme ich echt Plaque! Welcher Mann sucht eine Frau, die mit dem verstorbenen Dackel der Ex-Schwiegereltern Ähnlichkeit hat? Oder an den Nachbarhund Rex erinnert? Teilweise waren die Frauen bildhübsch, man konnte es hinter den Hundeohren erahnen. Wuff.

„Ich bin zu alt für den Mist, echt“

Frauen machen auch irrsinnig gerne Bilder mit Kussmund. Oder dieses Duckface-Gedöns. Ich bin zu alt für den Mist, echt. Es geht oft nur darum, aufzufallen, egal wie und egal mit welchen Konsequenzen. Likes und Kommentare sammeln, als wären es Payback-Punkte. Alle heiß machen, alle wild machen, die anderen ausstechen, irgendwie die „Single-Queen das Tages“ sein. Die Ernsthaftigkeit am Interesse einer Beziehung zweifelte ich mehrmals am Tag an. Auch heute noch. In Zukunft nicht weniger.

Ich habe mich zu dieser Zeit über Bilder von nicht makellosen Frauen gefreut, die Bilder von Momentaufnahmen zu ihrer Vorstellung nutzten. Und die aussahen wie Du und ich. Real. Aus dem Leben gegriffen. Frauen scheinen dazu zu neigen, sich zu verniedlichen, sich als das etwas schwächere Geschlecht darzustellen, etwas verletzliches an den Tag zu legen, und den Beschützerinstinkt der Männer wecken zu wollen. Gepaart mit viel Sexappeal und gerne auch mit Äußerungen, wie selbstbewusst sie aber eigentlich sind und wie toll sie alleine klar kommen.

„Eigentlich traurig, wenn man darüber nachdenkt“

Ich habe selten so viele Gegensätze gesehen und gelesen. Und ich habe viele Menschen gesehen, die auf der Suche nach Aufmerksamkeit waren, nach Bestätigung, nach positivem Feedback. Eigentlich traurig, wenn man etwas länger darüber nachdenkt. Bei den Männern es im Kern immer dieselbe Nummer: Bilder von schlafenden Männern, von liegenden Männern, von Kaffee trinkenden Männern, von Männern mit freiem Oberkörper. Im Fitnessstudio, im Badezimmer, im aufgepimpten Auto, vor der Hecke vom Nachbar. Ein nett aussehender Mann vorm Alpenpanorama mit einer Bergziege im Hintergrund ging da teilweise unter im Gegensatz zu Arnold und Co. Auch bei den Männern fast überwiegend Selfies, das Smartphone gerne mit im Bild, teilweise das Gesicht verdeckend.

Auch hier Zitate großer Dichter und Denker über Bildern mit durchtrainierten Körpern und teilweise voll den fetten Silberketten um den Hals. Man hatte stellenweise den Drang, sich bei Heine, Brecht, Fontane und Co. entschuldigen zu wollen. Wenn sich diese Männer mit Snapchat-Filter zeigten, habe ich kurz die Online-Angebote von Aldi, Lidl und Co. durchstöbert, sonst kam ich von dem Trip echt nicht runter. Puuuuuuh. Bei Frauen und auch Männern scheint es „in“ zu sein, Bilder mit ausgestrecktem Mittelfinger zu präsentieren.

„Sorry, aber solche Fragen sind hirnverbrannt“

Fotos mit Sonnenbrillen auf der Nase werden auch gerne genommen. Bei der Partnersuche etwas hinderlich, wie ich finde, da ich die Augen dieser Person nicht wirklich sehen kann. Wobei man sich fragen muss, warum jemand am Abend im Wohnzimmer mit einer Sonnenbrille sitzt. Putzig. Wenn Frauen bemerken, dass eine ganz bestimmte Dame unter ihnen viel Aufmerksamkeit bekommt, werden einige stutenbissig. Wenn Männer bemerken, dass ein ganz bestimmter Herr unter ihnen viel Aufmerksamkeit bekommt, treten einige mal kurz aus wie die Hengste.

Mehrmals am Tag konnte ich Fragen von beiden Geschlechtern lesen, ob es noch Menschen gibt, die es ehrlich meinen, die nicht nur kurze Abenteuer suchen, die nicht lügen und betrügen. Sorry, aber solche Fragen sind hirnverbrannt. Wer gibt sich denn zu erkennen und gibt zu, gerne mal die Leute abzuziehen? Keiner! Also sind Fragen in diese Richtung überflüssig. Und mal ehrlich: Wenn ich lese, dass jemand seit Jahren immer wieder auf die Klappe fällt und veräppelt wird, dann darf ich mir die Frage stellen, ob da jemand mit ganz, ganz viel Naivität durchs Netz geistert.

Facebook-Profile sind aufschlussreicher

Vorteil bei Facebook ist, dass ich mir die Profile der Singles anschauen kann. Das finde ich absolut aufschlussreich. So kann ich beispielsweise sehen, ob jemand viel zockt, oder sich mit den täglichen Ereignissen im Weltgeschehen auseinandersetzt. Ich kann vielleicht auch sehen, ob sie oder er soziale Kontakte hat oder eher ein Einzelgänger ist. Sind die Profile auf, kann ich mir auch Bilder anschauen. Was mir unverständlich bleibt, sind Menschen, die solchen Gruppen beitreten, auf deren Profilen ich aber Null Infos bekomme. Keine Bilder, kein Wohnort, keine Altersangabe. Rein nichts. Das macht das Kennenlernen irrsinnig schwer.

Unterm Strich sei festzustellen, dass das „Ältere Semester“ nicht sonderlich gut abschneidet in Single-Gruppen, in der auch viele recht junge Menschen vertreten sind. Wie oben schon erwähnt, geht man als „Normalo“ mit Pauken und Trompeten unter. Da empfehlen sich Gruppen für die ältere Generation. Was will ich damit sagen? Folgendes will ich damit sagen: Es ist ein wenig wie in einem Supermarkt: Das Angebot auf dem Single-Börsen-Markt und in den Single-Gruppen ist schon beinahe zu groß. Man erwischt sich selbst dabei, dass man neue Bekanntschaften schon dann anzweifelt, wenn jemand auftaucht, der besser passen würde.

Online-Dating ist wie ein Einkauf im Supermarkt

Und klappt es mit dem nicht, stürzen wir in die nächste Gruppe und schauen uns dort um. Gerade im Internet kann man den Leuten nur vor den Kopf schauen. Ob immer alle so witzig, so cool, so abgeklärt oder auch so hübsch sind, wie sie sich darstellen, wird man oft nicht erfahren. Es gibt genug Singles, die sich nicht die Mühe machen, mal hinter die Kulissen zu schauen. Man sieht etwas, das gefällt, und das will man sofort haben, wie im Discounter.

Es gibt die hochwertigen Produkte, vor denen man sabbernd steht und davon träumt, sie zu besitzen. Und es gibt den Grabbeltisch, den man kurz wahrnimmt und weitergeht. So in etwa empfinde ich all dieses. Da sich aber schon viele auf diesem Weg gefunden und verliebt haben, scheint es ja doch zu klappen. Ich zweifel diese These auch nicht an, um Himmels Willen. Es ist nur verdammt schwierig weil das Angebot so groß ist und viele Leute mit sich selber nicht ganz so ehrlich sind.

Das geht bei den bearbeiteten Bildern los und endet in einer nicht so wirklich real dargestellten Persönlichkeit. Viele pimpen in diesen Gruppen ihr verlorengegangenes Ego auf, testen ihren Marktwert. Da haben die, die es wirklich ehrlich meinen, ganz schlechte Karten. Man muss als Single auf diesem Markt kerngesund sein. Es hat auch seinen Unterhaltungswert, das kann man der Sache schwerlich absprechen. Fröhliches flirten, meine Damen und Herren.

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