Die Büroklammer

Ineinander gepopelte Büroklammern: Ich raste nochmal aus!

Kennt ihr ihn auch? Diesen nervenaufreibenden, stundenlang dauernden, täglich wiederkehrenden Job des “Büroklammerns auseinander bauen müssens” weil die sich verschlungen haben? Quasi Büroklammer an Büroklammer? Als würden die sich lieben und nicht mehr loslassen wollen? Als säßen da in der Fabrik Mitarbeiter, deren Job es ist in einem 2000er Paket
1801 Büroklammern ineinander zu haken, damit wir Büro-Tussen einen Nervenzusammenbruch bekommen?
Bei uns gehen tagtäglich eine Menge Büroklammern über den Schreibtisch. Und dauernd hat man so einen Haufen in der Hand wo 2, oder auch 3, oder auch mehr Klammern eine Einheit bilden. Normalerweise lege ich die an die Seite, weit an die Seite. Weil ich da echt ausrasten könnte wenn es schnell gehen muss. Aber irgendwann sind die „Single-Büroklammern“ aufgebraucht, und dann muss man die „Gang-Bang-Büroklammern“ voneinander lösen. Du schiebst die eine nach unten, merkst dass das die falsche Richtung war, also nach oben geschoben damit die wenigstens brauchbar ist, und Du siehst dass da aber noch einige mehr an so einer Traube hängen. Das meist zu einer Uhrzeit zu der keine Zeit mehr ist ins Lager zu gehen. Oder im Lager sind gerade keine. Und die Kollegin kann auch nicht helfen weil die ebenfalls gerade mit den „Gang-Bang-Büroklammern“ kämpft.
Ich muss ja garnicht wissen dass die Kollegin gerade wieder eine „Gang-Bang-Trennung“ vornimmt, ich höre das ja am Fluchen.
Und immer sehe ich dann vor meinem geistigen Auge Arbeiter an einem Fließband sitzen oder stehen, die juchzen und in die Hände klatschen und dreckig lachen, während sie die Büroklammern ineinander haken und im Chor rufen:
“Nieder mit den Bürotussen, wir machen Euch so alle!”
Dass einem so ein kleines bißchen Draht so aus der Fassung bringen kann, läßt mir dann den Draht aus der Mütze fliegen.
„Gang-Bang-Büroklammern“, dolles Wort, was? ^^

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Lief ja quasi gestern

Dafür dass ich eigentlich garnicht zur Apres Ski-Party wollte, hab ich lange ausgehalten. Zwar ging es nicht ein fröhliches Liedchen trällernd mit der Handtasche schleudernd die Bella Clava hoch, den Zeitungsausträger überholend, aber es war mal wieder ein schöner Abend.
Ich bin wegen Cheryl runtergegangen, weil ich sie mal live hören wollte, und weil ich es unglaublich finde dass eine junge Frau, die man vor Monaten sicherlich auf den ersten Blick nicht wahrnahm, plötzlich derart bekannt ist hier. Unterm Strich kann ich nur sagen dass ich Gänsehautalarm hatte, eine tolle Stimme und eine tolle junge Frau.
Auch ansonsten war gut was los und prima Stimmung. Find ich immer spannend dass man denkt man kennt hier schon alle, und man wird an Abenden wie gestern eines besseren belehrt und lernt dann wieder “neue” Uslarer kennen. Der Glühwein, die Uslarer Kaltschale und sonstige diverse Kaltgetränke sorgten zu späterer Stunde dann für laut singende und tanzende Gruppierungen. Da schleuderten gestern welche ihr Becken durch die Gegend von denen ich dachte dass sie resistent sind gegen Spaß.
Die gute alte Stadtschänke sorgte dann mitunter dafür dass man den Glühwein, die Kaltschale und das andere Kram ordentlich auf die sanitäre Anlage bringen konnte. Viele haben sich dann dort schon recht früh für den Gute-Nacht-Absacker niedergelassen, da war ja stellenweise kein Durchkommen mehr. Ich bin jedenfalls teilweise wieder auf dem neusten Stand was den Klatsch und den Tratsch angeht, man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Man gut dass die Straßenbeleuchtung noch an war, sonst hätte ich wieder stundenlang gebraucht mich den Berg hochzutasten. Unten Anlauf genommen: zack war ich oben. Und kaum dass die Jacke an der Garderobe hing kam der Nachwuchs auch zur Tür herein, mit Kumpel an den Hacken.
“Gute Nacht Marie-Ann, gute Nacht Jim-Bob, gute Nacht Horst-Herbert. Licht jetzt aus und nicht mehr so lange, Kopfschmerztabletten und Mineralwasser stehen neben der Brotmaschine falls einer was braucht.”

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Wenn nicht Du, wer dann.

Wenn ich eine Frau für den Titel “Frau des Jahres 2015” nominieren könnte, dann wärst Du es, liebe S.
Mir ist gerade unbegreiflich wie man soviel Scheiße durchleben kann und muss, ohne zu verzweifeln oder durchzudrehen.
Und nie hast Du Dich hier oder anderswo ausgekotzt, so richtig vom Leder gelassen, mal alles aus Dir rausgeschrien oder geschrieben. Du warst einfach diszipliniert und hast nicht das getan, was ich sicherlich an Deiner Stelle täte oder auch schon gemacht habe, und was andere tagtäglich machen.
Und wenn man Dich trifft, dann schaffst Du es noch zu lächeln oder einen Spruch zu reißen, obwohl Du sicherlich ganz oft einfach nur hemmungslos weinen würdest.
Wie das Leben so laufen kann: Nach 23 Jahren das Aus der Ehe, zum 3. Mal, das Haus gerade gekauft, 3 Kinder die versorgt werden wollen und der ganze Rattenschwanz der da noch dran hängt.
Der Trennungsterror begann, es riss Dich von einer Ecke in die andere bis Du endlich begreifen und akzeptieren musstest dass Du a) keine Antworten auf Deine Fragen bekommst und b) all das was mal war, ein jähes Ende genommen hat, nicht mehr reparabel ist. Du hast den Kopf oben gehalten, geklärt was geklärt werden musste, und Deine Frau gestanden dass so mancher Kerl den Hut vor Dir ziehen würde. Das alles im nicht gerade gesunden Zustand, das kommt ja nach dazu. All die anderen Baustellen die nicht weniger dramatisch waren und sind, haben Dich immer mal wieder kurz in die Knie gezwungen, und tun es auch heute noch, aber Du stehst auf und machst weiter.
Ein Gefühlchaos mal auf und mal ab, von Euphorie bis Verzweiflung. Man sah Dir an dass Du auf dem Zahnfleisch gehst. Und selbst dann hast Du Deinen Job erledigt, Dich um die Belange Deiner Liebsten gekümmert, versucht die Zukunft irgendwie zu regeln und zu strukturieren, weil es außer Dir keiner konnte, Du warst alleine mit all dem.
Und als wir alle dachten: “Ja, da ist jetzt jemand der ihr guttut, der ihr Halt gibt, der sie liebt, bei dem sie sich auskotzen kann, der sie auffängt und aufbaut, der die nächsten Probleme gemeinsam mit ihr löst”, dachten wir falsch, leider! Wieder einer dieser Typen der Dir das Blaue vom Himmel holen wollte, Dir aber letzten Endes nur noch den nächsten Schlag versetzte, und dafür sorgte dass das Wort Vertrauen eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr zu haben scheint in Deiner Gefühlswelt.
Liebe S., jetzt sage ich Dir mal was: Wenn ich nur halb soviel Power hätte wie Du, wenn ich nur die Hälfte an Schlägen in die Magengrube überstanden hätte, wenn ich nur einen Bruchteil dieser Gefühlsachterbahn hinter mich gebracht hätte ohne durchzudrehen, dann wäre ich darauf schon stolz gewesen. Du hast das alles durch, 100% Scheiße, sorry für die Wortwahl, bist aufrecht gegangen, hast nie Deinen Status hier zum Dampf ablassen genutzt, hast hinterm Berg gehalten denen gegenüber, die es nichts anging. Ich weiß dass es Menschen gab und auch noch gibt die Dich in gewissen Stunden sicherlich unterstützen und für Dich da sind und bei denen Du mal ausrasten darfst.
2015 war nicht Dein Jahr, ich glaube bei 2014 und 2013 sah es auch nicht besser aus.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann dass 2016 und 2017 und all die folgenden Jahre DEINE Jahre werden. Dass Du irgendwann mal auf die Chaosjahre zurückschaust, vielleicht kurz lächelst weil Du weißt dass all dieser Mist hinter Dir liegt, die Zukunft aber durchaus schöne Dinge für Dich parat hält. Weil Du es verdient hast. Wenn Deine Zukunftspläne Dich glücklich machen, dann sei es Dir gegönnt, der Neustart nicht weniger. Es kann ja nur noch besser werden.
Wenn nicht für Dich, für wen dann …
(Für meine Freundin S.).

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Ich bin mal volles Rohr einen Silvesterlauf gelaufen

Als ich kürzlich den Aufruf von Erbil Kurt zum Silvesterlauf gelesen habe, erinnerte ich mich an einen Silvesterlauf an dem ich teilnahm, vor Jahren, total untrainiert, dem Dorf zuliebe, in billigen Turnschlappen und mit Aircast-Schiene.
Silvesterlauf in Allershausen, ich wollte mal teilnehmen, kann ja nicht so schwer sein. Ich hatte mir Tage vorher das Gelenk verstaucht oder so, bekam eine Schiene, und meine Hausärztin die gleichzeitig meine Chefin war, riet mir von der Teilnahme ab. Ich dachte noch so: “Das kriegt die ja garnicht mit dass ich mitlaufe, auch mit Schiene.” Den letzten Satz behaltet mal im Koppe.
Der Tag kam, es hatte geschneit, der Startschuss ertönte, und ich lag nach 30 m schon hinten, total weit hinten. Ich stolperte da so durch die Pampa, mit Schiene am Fuß, alle waren weg irgendwie, ich keuchte und hustete und tastete mich mit den Turnschlappen ans Ziel. Ich war noch garnicht auf der Hälfte, da kamen mir die anderen schon entgegen. Mir war das so peinlich! Ich rannte weiter, war auf der Hälfte und sollte einen Nagel in so einen Holzstamm hämmern. Ich war fertig, ich war alle, ich hab gepumpt wie ein Maikäfer und gezittert wie Bolle. Und ich hab gehämmert als gäbe es keinen Morgen mehr. Irgendwann sagte eine Stimme: “Steffi, lauf weiter, wir haben aufgehört zu zählen, das waren jetzt über 80 Versuche.”
Mein Gott wie peinlich. Ich wieder zurück, total alleine, mit dem Schnee und den billigen Turnschlappen plus Aircast-Schiene wieder auf die Strecke, und ich lief und lief und lief.
Im Ziel angekommen fragte eine kleines Mädchen ihren Vater:
“Papa, wo kommt die Frau jetzt her?”
Jetzt ging es ans Luftgewehr. Hatte ich eine Panik! Wenn das hier so endet wie eben beim nageln, verringert sich die Einwohnerzahl der Allershäuser auf die Hälfte. Ich ballerte da so rum, was ich traf und womit war egal, es gab keine Verletzten. Dann kam die Siegerehrung: Ich war auf Platz 4! Platz 4! Habt ihr gelesen? Platz 4! Wir waren aber auch nur 4 Frauen, ich erwähne das jetzt mal ehrlich. Ich hab eine Uhr gewonnen, hatte Herzrhythmusstörungen, billige Turnschlappen an und eine Aircast-Schiene. Die Nummer mit dem nageln stand in der HNA, war Thema auf dem Neujahrsempfang in Allershausen. Aber das schlimmste war, dass ich auf dem Titelbild in der HNA abgebildet war. Und das sah meine Chefin die auch gleichzeitig mein Hausärztin war. Da gehst Du mit gesenktem Haupt in die Praxis und übernimmst freiwillig alle unangenehmen Arbeiten. Ich krieg heute noch nen roten Kopp wenn ich daran denke wie mich einer fragte:
“Haste echt über 80 Schläge für den Nagel gebraucht? Brüller!”
“Ja ey, ich war verletzt, hab aber eine Uhr gewonnen und Platz 4 belegt. Und jetzt kommst Du!” ^^

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Baustellenwahnsinn in Uslar

… auch Du Dank der Baustellen in den letzten Wochen durch Siedlungen/Strassen gefahren bist, die Deine Reifen schon seit Jahren nicht mehr berührten.
Eigentlich kommt man ja von Allershausen zur Volksbank in ein paar Minuten … eigentlich … wäre da nicht der Bau- und Ampelwahnsinn gewesen.
Aufgabe vorletzte Woche war, mit meinem Vater von der Dorfstrasse in Allershausen zur Volksbank Uslar.
Von der Bella Clava bin ich so nach Allershausen gekommen:
Bella Clava – Gerhard-Hauptmann-Strasse – Pestalozzi-Strasse – Albert-Schweitzer-Strasse – Gustav-Fischer-Strasse – Göttinger Strasse und dann Dorfstrasse. Fließender Verkehr quasi OHNE Ampeln.
Jetzt zur Volksbank, mit dem Vater im Auto. Der ist Jahrgang 1938 und hasst es wenn ich Umwege fahre wegen Spritverbrauch und weil ihm in meinem Auto immer schlecht wird (behauptet er!).
Attacke, ich setzte mich durch. Los gings:
Dorfstrasse – B241 (Google Maps zeigt mir da keinen Strassenname an) – Kurt-Schumacher-Strasse – Otto-Brenner-Strasse – den Berg runter auf die K445 – Rosenstrasse – Buchenweg – Hainebuche – Jahnstrasse – Goethestrasse – Eschershäuser Strasse – Volksbank.
Endlich angekommen! Wir rein, mein Vater wollte Geld holen am Schalter (ich wiederhole: Am SCHALTER!!!), es war Freitag, die Schotten unten, ich drehe mich um, ist da ein Schild:
Freitags nur bis 13 Uhr geöffnet.
Jetzt ist es aber so dass Männer vom Jahrgang 1938 dem Automaten nicht trauen, also dem Geldautomaten. Was macht man da? Man fährt unverrichteter Dinge wieder nach Allershausen, diesmal aber so:
Eschershäuser Strasse – Meinte – auf die K446 – Vahler Berg – Stadtgärten – quer durch die Pampa hinter Vahle wieder auf die K445 – da kurz drüber – wieder den Berg hoch (Google Maps zeigt mir da wieder keinen Strassenname an) – Otto-Brenner-Strasse – Kurt-Schumacher-Strasse – B241 – An der Eisenbahn – Dorfstrasse. Auto aus, ne Menge Sprit verfahren, sagt mein Vater, Jahrgang 1938:
“Kontoauszüge hätte ich holen müssen, da ist doch so ein Automat.”
“Ja, der ist da der Automat, ich fahre jetzt aber nicht nochmal zurück.”
Er so: “Nee, musste nicht, mir wird bei Dir auch eh immer schlecht im Auto.”
Gut dass das Ampelchaos jetzt auf der Strecke ein Ende hat, denn bald ist wieder Freitag. ^^

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