“Du isst jetzt Deinen Teller auf!”

Was ein grausames Requileg aus meiner Kindheit.
Bei uns gab es immer Diskussionen, wenn jemand das Essen auf seinem Teller nicht schaffte. Und das waren lange Diskussionen, teilweise richtig lange Diskussionen und Gemecker. Irgendwann hatte das zur Folge, dass sich mein Magen schon zuschnürte, wenn ich das Essen nur sah. Ob das zu Hause war oder im Restaurant. Mir fiel es auch lange Zeit schwer, in Gegenwart anderer Leute zu essen. Aus Angst, da könnte jemand am Tisch lautstark eine Diskussion beginnen, weil ich noch Reste auf dem Teller habe. Ich bekam in solchen Momenten nichts runter. Gekrönt wurde dieses leidige Thema gerne mit Thesen wie “andere Menschen haben kein Essen”. Ich fühlte mich dann hundsmiserabel. Wegen diesen Erlebnissen gehe ich noch heute nur mit Menschen essen die ich gut kenne, und von denen ich weiß, dass sie es vielleicht zur Kenntnis nehmen, aber kein Wort darüber verlieren (heutzutage passiert das allerdings nicht mehr, ganz im Gegenteil). Essen war lange Zeit kein Genuß für mich, sondern nur Nahrungsaufnahme, negativ gespickt.
Das schlimmste wäre für mich so eine “Ess auf-Situation” mit einem mir noch recht fremden Menschen (ein Date z. B.). Niemals würde es dazu kommen, Begebenheiten dieser Art cancele ich noch heute.
Ich bin froh, dass sich dieser Zwang seine Portion aufessen zu müssen, mittlerweile entspannt hat. Auch ich mag es nicht, wenn sich jemand den Teller so vollballert, dass es links und rechts schon daneben fällt. Beim Bufett z. B. Aber die Hälfte bleibt auf dem Teller. Und 30 Minuten später kann ich dasselbe Schauspiel wieder beobachten. Ein Sache die gerne stattfindet, wenn man sein Essen nicht bezahlen muss, auf Feiern z. B.
Meinem Sohn habe ich das immer erspart. Ich bitte ihn eben nur, sich den Teller nicht derart vollzurammeln. Oft ist das Auge größer wie der Appetit. Gerne kann er sich 2x oder 3x oder auch 4x etwas nehmen. Als er noch klein war und auch bei ihm genasselt wurde wenn etwas auf dem Teller blieb, habe ich mich immer sofort eingeschaltet und erklärt, dass es okay ist wenn er satt ist bzw. nichts mehr mag.
Ich denke die Generation meiner Eltern, Onkel und Tanten oder auch Großeltern hat uns dazu nicht gezwungen, um uns zu quälen. Nein, sie haben erlebt was es heißt, Hunger zu haben. Und haben es daraufhin leider so vehement durchgezogen.
Heute Abend werde ich mit einer sehr guten und langjährigen Freundin essen gehen. Zum Bufett, beim unserem Chinesen. Und wir werden völlig entspannt Teller für Teller mit Genuß verspeisen. Keiner schaut auf die Portion des anderen, keiner meckert. Mittlerweile kann ich essen gehen bzw. essen an sich wirklich genießen, und das ist gut so.
Im übrigen fand ich den Spruch “es wird gegessen, was auf den Tisch kommt” auch total bescheuert.
Euch jedenfalls guten Appetit und ein schönes Wochenende. ^^
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