„Hier, guckt mal, ich habe gerade ein kleines schwerverletztes Mädchen gefilmt. Cool, wa?“ (Zu dem Vorfall vorgestern in Hagen).

Wie verbreiten die „Gaffer“ eigentlich solch geschmacklose Videos? Und gibt es echt Menschen, die sich eine solche Tragödie fasziniert anschauen?
Der Vorfall in Hagen gestern, als Gaffer die Bergung/Rettung eines 10-jährigen Mädchens nach einem Unfall behinderten, weil sie MIT DEM SMARTPHONE ALLES FILMTEN, läßt mir persönlich mein Mittagessen wieder hochkommen. Ich könnte jetzt eine Wortwahl nutzen um zu verdeutlichen, was ich von solchen Menschen halte, die allerdings nicht meiner guten Kinderstube angemessen wäre. Und die mich auf denselben Level mit diesen Menschen setzen würde. Wobei die sogenannten Gaffer sich nicht mal daran stören würden, sind halt Gaffer, nä?
Schon lange scheint die Devise zu heißen: Nicht Helfen, sondern Filmen. Meldungen der Art sind leider nicht neu. Gibt es allen ernstes mehr und mehr Menschen, denen das Filmen eines Unglücks mittlerweile wichtiger ist als das Helfen? Gute und scharfe Aufnahmen, aus der 1. Reihe, wenn es geht mit viel Blut und Leid, am besten noch kurz mit dem Unfallopfer sprechen können? Und das einzig und allein aus dem Grund, diese Aufnahmen anderen unter die Nase zu halten, zu versenden, zu veröffentlichen oder was weiß ich.
Meine Meinung? Ist nachgewiesen, dass ein Gaffer der im Besitz des Führerscheines ist, nicht geholfen hat und Bildmaterial machte, dann bitte den Führerschein weg. Denn wir alle brauchen einen Erste-Hilfe-Kurs, um überhaupt den Führerschein zu erwerben. Und warum? Genau: Damit wir helfen können. Wer nicht helfen kann, weil sie oder er an der Unfallstelle lieber grausame Szenen filmt, der ist auch nicht in der Lage einen PKW zu führen, oder einen Bus oder ein Motorrad oder was weiß ich.
Zudem müssten die Gaffer so tief in die Tasche greifen für ein solch unmenschliches Handeln, dass sie nie wieder wagen sich so zu benehmen. Außerdem 100 Sozialstunden in einer Notaufnahme, und nach jeder Behandlung die Untersuchungsräume mit der Zahnbürste putzen müssen.
In Hagen mussten weitere Polizeibeamte eingesetzt werden, weil man der Situation durch die Schaulustigen nicht mehr Herr wurde. Dass der Polizei Hagen der Kragen platzte, kann ich verstehen. Und ich würde mir wünschen, dass der Post von ihnen hunderttausende Mal geteilt wird. Zudem wäre es klasse wenn sich Menschen finden, die bei Unglücksfällen die Gaffer dezent und freundlich nach hinten schieben, damit vorne geholfen werden kann. Wie einige ein solches Verhalten mit ihrem Gewissen vereinbaren können, ist mir unbegreiflich.
Wie das kleine Mädchen dieses Szenario wahrnahm (wenn sie bei Bewußtsein war), möchte ich nicht wissen. Situationen, die einem den Glauben an die Menschheit verlieren lassen, anders kann ich mich garnicht ausdrücken. Ich wünsche mir und meinen Liebsten, niemals ein so rücksichtloses, dummes Verhalten miterleben zu müssen. Du bist verletzt und brauchst Hilfe, und da hält Dir einer das Smartphone ins Gesicht um über Dein Schicksal berichten zu können, ohne dass Du das überhaupt möchtest.
Mir fällt kein Wort ein, welches ein so widerliches Verhalten nur annähernd beschreiben kann.

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