Vom ersten Friseurbesuch seit über 10 Wochen.

Quelle Bild: Pixabay/Mohamed_Hassan)

Ich war heute Morgen zugegebenermaßen freudig gestimmt, allerdings auch aufgeregt als ich zum Friseur stiefelte. Mit Schutzmaske in der Handtasche, ist ja klar. Aufgeregt war ich deshalb, weil ich nicht so recht wusste was mich erwartet und wie das alles vonstatten geht. Und ob ich hinter der Maske in diesem Zeitraum keine Krise kriege. Das passiert mir nämlich hin und wieder beim Einkaufen. Dann wird teilweise die Luft hinter dem Teil dünn und und man hat das Gefühl gleich setzt die Schnappatmung ein in der Gemüseabteilung.

Präpariert ging es also rein in den Salon, und meine erste Amtshandlung war das Händewaschen. Schön lange und schön heiß.

So nahm ich Platz und erklärte kurz das lustige Drama mein Haupthaar betreffend, weil ich ja selber geschnitten hatte mittendrin.

In diesem Moment fing meine Nase an zu laufen. Normalerweise schnäuzt man kurz in das Taschentuch und dann ist die Sache geklärt. Ich konnte aber nicht schnäuzen weil ich die Maske nicht abnehmen wollte bzw. rausgehen. Die Maske mal kurz Richtung Nase drücken kam auch nicht in Frage. Kein Mensch hat gesehen, dass mir 30 Minuten die Nase lief und ich habe es ausgehalten. Überhaupt haben die Masken mitunter auch Vorteile: Ich musste meine Pickel nicht abdecken, und Lippenstift spart man dieser Tage auch.

Dann kam der angenehme Part: Das Haarewaschen. Ich liebe Haarewaschen beim Friseur. Die massieren dann immer so herrlich die Kopfhaut, ich kriege da voll die Gänsehaut und möchte immer rufen:

„Weitermachen, bitte machen Sie weiter. Waschen Sie noch 48x, ich zahle das auch. Aber bitte machen Sie weiter!“

Ich erkannte die Kundschaft hinter den Masken heute mal nicht, von meinen Sitznachbarn in den Salons mache ich immer abhängig was ich so erzähle 😉

Ja, und dann schilderte mir mein Coiffeur wie er sich fühlte, als an einem Freitag im März plötzlich die Polizei im vollbesetzten Laden stand und darum bat, diesen jetzt zu räumen. Ich konnte verstehen, dass er für einige Zeit geplättet war und mehrmals durchatmen musste um zu wechseln was da gerade abgegangen war.

Als ich dann wieder mit frisch gefeudelten Haupthaar vor dem Spiegel saß und hinter mir das Waschbecken plus Stuhl desinfiziert wurde, kamen mir so wirre Gedanken. Das ist Vorschrift, das muss so sein, kein Thema, ich weiß. Aber wenn die Fläche desinfiziert wird auf welcher der eigene Poppes vor ein paar Sekunden noch saß, von einer Person mit Mundschutz ausstaffiert, dann fragt man sich mal kurz ob in der eigenen „unteren Etage“ denn wirklich alles sauber war 🙂

So, und endlich, endlich kam die Schere zum Einsatz und das Messer, und es wurde alles etwas freier am Hinterkopp. Mit Pfiff. Und einem wieder erkennbaren Schnitt. Endlich!

Und beim Bezahlen dann der Brüller: Als ich auf Sicherheitsabstand war zu meinem Helden der Effilierschere, da nahm er seinen Mundschutz ab und präsentiert mir seinen seit dem 20.03.2020 wachsenden Bart. Genau, er hat sich seit dem 20.03.2020 nicht mehr rasiert. Und erwähnte dann noch, dass er seinen noch nicht geborenen Enkelkindern irgendwann mal Fotos zeigt mit folgender Erklärung:

„Schaut mal, das war der Opa im März 2020. Da ist nämlich folgendes passiert, also hört mir gut zu.“

Und dann wird er seinen Enkelkindern erklären was im März 2020 los war, wie alles begann, und hoffentlich auch letztendlich gut endete.

Nach dem Verlassen der Salons war die Maske in 0,0001 Sekunde runter von meinem Gesicht ich habe endlich die Nase putzen können. Und mit richtig guter Laune habe ich mir dann zur Feier des Tages 500 g Mett gegönnt plus ein paar andere Leckereien vom Metzger des Vertrauens.

Was ein Friseurbesuch doch für Endorphine freisetzt. ^^

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