Mein erstes Mal – der Schüttenhoff 2014 damals – Junge!

(Quelle Bild: Schüttenhoff Bodenfelde)

Wahrscheinlich werden bei der Überschrift schon 99% der Bodenfelderinnen und Bodenfelder den Kopf schütteln und sich mit der Hand vor die Stirn kloppen.

Steffi, bitte, nicht Dein Ernst jetzt!“

Ja, Mensch, sorry Leute. Doch!“

Obwohl nur ein paar Kilometer von Bodenfelde wohnhaft, war ich mit 44 Jahren zum ersten Mal beim Schüttenhoff dabei damals vor 5 Jahren.  Aber nicht als Besucherin, sondern dienstlich.

Gerade bei den Übungsabenden im Vorfeld hinsichtlich dieses Festes/Festwochenendes wurde mir nach und nach klar, dass der Bär steppen wird. Und dass sich nicht nur hunderte von Aktiven einfinden werden, sondern auch tausende von Besuchern. Nach ausreichender und exzellenter Vorbereitung in den vielen Schulungsstunden kam dann mein erster Schüttenhoff. Mit so vielen Uniformen hatte ich nicht unbedingt gerechnet, auch wenn die Meldungen in den sozialen Netzwerken bzw. die Schnappschüsse von diesem historischen Event schon einen ersten Hinweis darauf gaben.

Als ich an meinem ersten Einsatztag mit an der Weserpromenade stand, wusste ich teilweise nicht wo ich nun zuerst und zuletzt hinschauen sollte. Uniformen über Uniformen über Uniformen. Menschen über Menschen über Menschen. Und Pferde. Und Uniformen. Und Menschen.

Und plötzlich sieht man Männer, die sich sonst nur im Auto oder zu Fuß zeigen, auf einem schicken Pferd sitzen. Als hätten sie nie etwas anderes getan als auf einem schicken Pferd zu sitzen.

Plötzlich sieht man den Nachbar, der sich sonst nur in Jeans und T-Shirt zeigt, in einer schicken Uniform stramm an der Weser stehen. Als hätte er nie etwas anderen getan als in einer schicken Uniform stramm an der Weser zu stehen.

Schon bei den Proben brannte der Planet vom Himmel, Pfingsten 2014 war ein dolles Wochenende mit viel Sonne und wirklich hohen Temperaturen. Kriterien, welche uns im Dienst leichte Sorgen machten.

  • Hoffentlich trinken die alle genug. Wasser natürlich. Oder Saft.
  • Hoffentlich haben die alle genug gegessen. Was leichtes natürlich. Oder Obst.
  • Hoffentlich stehen die alle auch mal im Schatten. Mit Kopfbedeckung natürlich. Oder gut eingecremt.

In den Einheiten war die Stimmung wohl locker-flockig, aber es herrschte auch Zucht und Ordnung. Ich konnte das alles noch nicht so wirklich einordnen.

An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal auf die Schlachten traf im Ortskern, Bodenfelde war rappelvoll mit Aktiven und Besuchern, die Sonne brannte wieder volles Brett und gnadenlos, war ich abends nach meinem Dienst platt wie ein 2-jähriges Kind. Und habe vor Erschöpfung geschlafen wie ein dicker Maikäfer auf dem Rücken. Laut schnarchend. Mit zusammengefallenen und angesengten Flügeln.

All die Eindrücke musste ich irgendwie erst mal wechseln.

Die Männer, welche plötzlich auf Pferden saßen, ritten durch den Ort, dass mir Angst und Bange wurde! Ich war angespannt vom Scheitel bis zu den Schuhsohlen.  Als die älteren Herren dann mit in die Schlacht einstiegen, hatte ich versucht jeden einzelnen im Auge zu haben. Ich hatte echt etwas Angst um die Aktiven. Sie waren mir so sympathisch.

Kleinere Knallgeräusche waren schon wohl zu hören, aber mein persönliches Drama kam ja noch: Als die Kanonen gezündet wurden. Ich bin gefühlte 17 Meter abgehoben, ca. 354 Mal, meine Pumpe war im Takt kompatibel mit der Kapelle so rhythmustechnisch und mein erster Gedanke:

„Steffi, jetzt schießen sie schon auf Dich!“

Du liebe Güte, ich dachte kurz meine Kameraden müssen sich gleich um mich kümmern.

Die galoppierenden Pferde, die kampfeslustigen älteren Herren, die Kanonen, die Sonne: Ich hielt wie hypnotisiert meine Wasserflasche mit angespanntem Bizeps und Trizeps und fragte mich:

„Was kommt jetzt noch?“

Ich hatte was von Marine und Schiffen gehört. Und kurz keimte in mir der Gedanke auf, ich müsse vielleicht mit einem Tretboot auf der Weser für Erste Hilfe-Maßnahmen irgendwie vor Ort sein. Das musste ich aber nicht. Puh!

Die Schlachten waren geschlagen, der Festumzug begann. Wir in unserem Fußtrupp waren irgendwie auf einer Wellenlänge mit der Einheit der Jäger,  total nette Männer waren das. 

Bei der Affenhitze hatten sich einige Aktive Geschirrtücher unter die Kopfbedeckungen geschoben um den Schweiß aufzusaugen. Ich wette, bei einigen wog das Tuch nach dem Umzug so viel wie ein halbes Pfund Schlachte-Mett vom Metzger des Vertrauens.

Und immer hatte man die Augen bei den Besuchern, den aktiven Damen und Herren. Hin und wieder kam es auch zu Einsätzen, meines Wissens nach aber zu keinen dramatischen Ereignissen.

Ich habe stundenlang literweise Wasser getrunken, war nicht 1x austreten, habe geschwitzt wie in einer 105 Grad-Sauna mit Kiefernnadel-Aufguss, hatte Puls und Blutdruck, in meinen Dienststiefeln müssen gefühlte 1254 Grad gewesen sein.

Aber: Nach einem Narkose ähnlichen Schlaf am Abend nach dem nächsten Dienst konnte ich kurz und knapp erklären, um was es beim Schüttenhoff in Bodenfelde geht.

Dieses Jahr ist es wieder so weit. Der Part mit den Kanonen wird mich nicht aus den Puschen hauen. Und ich bin nicht im Dienst. Diesmal nicht. Ich bin bereit. Junge! ^^

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