Nicht „Tanz der Teufel, sondern „Tanz der gelben Säcke“.

Am Mittwoch als “Heini” übers Land schoß, musste ich durch ein Dorf in dem die gelben Säcke abgefahren werden sollten. Also ich denke man versuchte es zumindest. Weil vor den jeweiligen Häusern kaum mehr welche standen. Die wehten und purzelten nämlich durch die Gegend. Also konzentrierte man sich nicht nur auf den Wind und den Regen und die Blätter: Nein, mein Augenmerk lag auf den gelben Säcken. Ich hab gebremst, hab versucht die zu umfahren, einer Kollision auszuweichen, ich wollte ums verrecken mit keinem in Kontakt treten. Dann hätten wir das Drama gehabt: Beutel reißt aus, fliegt alles raus, und ich fahre dann mit einem von margarinebechern-, kinderriegelverpackungen-, milchtütengespickten Auto zur Arbeit, an der Antenne noch eine Rahmspinatpackung wehend. Nicht an die Schweinemettpackungen denkend die seit 3 Wochen da drin verweilen, stinken wie Hupe und rechts über dem Außenspiegel hängen.
Die gelben Säcke:
Diese dünnen, schon fast zart anmutenden, zum recyceln erfundenen Sammelsäcke. Diese quasi fruchtblasenähnlichen Beutel bei denen Du nicht mal reinstechen musst um was einzuleiten, da reicht die runde Ecke einer Schweinemettpackung. Diese wabbeligen Beutel bei denen ich mir einbilde dass die schon reißen wenn ich eine Rolle in der Handtasche habe.
Wenn ich einen gelben Sack befülle, ist das fast wie eine minimalinvasive Op. Du darfst nicht an die Seiten kommen, die reißen auf wenn Du nur in die Hände klatscht, der Boden unten ist so hauchdünn dass ich selbst bei meinen Make up-Wattebäuschen denken würde da ist unten schon das Loch drin während oben der Bausch erst reinfliegt (mach ich ja nicht, ist Hausmüll). Gehst Du schnell an einem vorbei, musst Du schauen dass da keine Schmauchspuren drin sind. Und dann der Gang vom 4. Stock zur Sammelstelle:
Man muss aufpassen, die reißen auch gerne ohne Vorwarnung mal einfach so, eben wie eine Fruchtblase, die sind schon lustig die gelben Säcke. Ich trage die im Hausflur runter wie in einer Prozession, nur halt ohne Weihrauch und Kerzen, die wackeln bei mir nicht, die werden so nach vorne gehalten dass sie nicht gegen das Geländer stoßen. Ich geh dann die Treppe runter mit Armen ausgestreckt und am Finger die Säcke hängend. Da hab ich eine Körperspannung am Leib wie beim Bodenturnen. Ich hau da im Sommer auch gerne Klospray rein damit das keiner riecht dass ich die runtergetragen habe. Bei uns werden die alle 4 Wochen abgefahren, das ist gerade bei 35° ohne Keller total spannend.
“Hat hier einer gepfurzt?”
“Nee, sind die gelben Säcke.”
“Ach so, gab Schweinemett, was?”
“Jo.” ^^

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