„Dann ruf doch den Herrn Winter an!“

So, nun haben wir den Salat: Die Waschmaschine hat den Geist aufgegeben. Das war immer so mein Horror-Gedanke. Weil das Ding schon irrsinnig alt ist. Und ich immer blank.

Vor ein paar Jahren hat das Teil schon mal gesponnen. Die wollte nicht mehr schleudern. Da habe ich in meiner Not meine Wäsche über die Straße getragen, zu einer Freundin und Kollegin. Sie hat dann ein paar Maschinen für uns gewaschen. Deren Katze war kurios, die mochte mich nicht. Ich hab mir in die Hose geschissen bei der Wäscheübergabe, weil ich dachte die Katze macht mich kalt während meine Socken bei 90° schleudern in einer fremden Waschmaschine.

Irgendwann schleuderte meine dann wieder. Weiß der Himmel was die hatte.

Jetzt sagt sie gar nichts mehr. Nix. Null. Ich hatte gerade Kochwäsche reingeballert, also Schlüpfer und Unterhosen und Socken und so. Es tat sich nichts. Maschine an – Maschine aus – Stecker rein – Stecker raus – Maschine an – Maschine aus. Wildes hüpfen und schimpfen und stampfen auf der Badematte.

Was mache ich nun? Sicherlich hätten auch meine Nachbarn mir geholfen und ein paar Maschinen für uns gewaschen. Aber bei Kochwäsche bin ich pingelig. Ich will nicht dass jemand sieht, was für olle Buxen ich so trage. Die sind ja teilweise echt elendig alt die Dinger, manchmal mit kleinen Löchern oder aufgeribbeltem Schlüpfergummi. Ich will die nicht weg schmeißen, die halten ja noch. Optik ist eh mir wumpe, mich sieht ja keiner in Unterhose. Im Ernstfall nur mein Hausarzt.

Ich also die Wäsche wieder aus der Maschine geholt, in den Wäschekorb und ab zum Herrn Vater. Er kennt ja noch meine Schlüppis in Größe 110.

Folgender Dialog fand statt:

Ich: „Papa, meine Waschmaschine ist kaputt. Kann ich bitte 2 oder 3 Maschinen hier waschen?“

Er: „Ja, mach mal. Immer wollt ihr was.“

Ich: „Entschuldigung, was soll ich denn machen? Ich kann nicht waschen.“

Er: „Dann ruf doch den Herrn Winter an. Der kann ja nachgucken.“

(Herr Winter ist ein angesagter Elektriker dieser Stadt).

Ich: „Ich kann mir aber keine neue Waschmaschine leisten.“

Er: „Lass ihn gucken, er hat ja auch günstige gebrauchte Waschmaschinen.“

Ich: „Ja. Nächste Woche. Ist ja nun Wochenende.“

(Es ist Monatsende, da hat man teilweise nicht mal Kohle für `ne Pulle Weichspüler!)

Er: „Was würdest Du denn jetzt machen ohne mich?“

Ich: „Ich kann auch in der Klinik waschen.“

Er: „Das kostet doch Geld.“

Ich: „Ja, aber ich muss ja waschen.“

Er: „Aber bei mir geht das so oder was?“

Ich: „Ich bezahle Dir das auch.“

Für 1,5 Stunden Kochwäsche bei 90° stehste da wie ein Döllmer mit 47 Jahren.

Vorgestern bin ich mit 2 Plastiktüten Buntwäsche zu Papa geeiert. Er wird ja unruhig, wenn ich nicht auftauche sofort nach dem Schleudergang. Selbst sein Pflegedienst wusste schon, dass meine Waschmaschine im Arsch ist und unsere Kochwäsche 12 Stunden in der Trommel schlummerte. Weil ich immer erst so spät auftauche. Das ist sooooooo peinlich! Meine Schwester und mein Schwager haben freundlicherweise den „Maschinenwechsel“ übernommen, die wohnen dort. Saubere Wäsche raus, dreckige Wäsche rein und saubere Wäsche in die Tüten. Ich war vorhin Einkaufen und plus der 2 Tüten gewaschener Wäsche bin ich mit 3 Tüten über den Parkplatz in den 4. Stock in meinem Viertel gewandelt. Ich dachte, ich breche zusammen. Die Scheiben vom Auto waren innen voll beschlagen wegen der nassen Klamotten. Was ne Schlepperei! Nasse Schlüpfer in der Discounter-Tüte, das musste echt bringen.

Ich habe hier noch eine Maschine Buntwäsche liegen, die muss ich morgen wieder in einer Tüte da hin karren und mir anhören den Herrn Winter zu kontaktieren und bitte das Waschpulver anders zu platzieren und eher zu kommen und generell mal zu überlegen wie das alles weitergehen soll. 3 Maschinen Wäsche im Elternhaus, und man ist gewillt einen Familientherapeuten einzuschalten. Ich brauche `ne Waschmaschine. Für schmales Geld. Und die freie Auswahl meiner „Waschmittel-Stellfläche“. Und neue Schlüpfer. Und Herrn Winter. ^^

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